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Wer zuletzt lacht, lacht am besten Neues aus Venedig (6): Fatih Akin amüsiert am Ende eines vorwiegend tristen Wettbewerbs den Lido mit seiner Komödie „Soul Kitchen“ Von Barbara Schweizerhof
Begeistertes Lachen und langanhaltender Applaus beim Publikum, so die ersten Reaktionen auf Fatih Akins Film „Soul Kitchen“ (Foto), der als einer der letzten Filme des Wettbewerbs auf den Filmfestspielen von Venedig vorgestellt wurde. In der spontanen Begeisterung für die deutsche Komödie über einen Hamburger Restaurantbesitzer mag sich auch ein Stück Erleichterung darüber ausdrücken, einmal etwas nicht ganz so ernst nehmen zu müssen, beherrschten ansonsten doch wieder die schwergewichtigen Themen um Krieg und Krisen das diesjährige Programm. In Akins Film dreht sich alles um ein Restaurant im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, besser gesagt um dessen Besitzer Zinos (Adam Bousdoukos), der vom Pech verfolgt scheint. Er sucht einen neuen Pächter für das so genannte „Soul Kitchen“, um selbst seiner Freundin nachzureisen, die in China eine Stelle angetreten hat. Doch dabei geht ihm alles schief: das Finanzamt rückt ihm auf die Pelle, sein im Gefängnis sitzender Bruder Ilias (Moritz Bleibtreu) will, dass er ihn zum Schein beschäftigt, um in den offenen Vollzug zu kommen, und zunehmend bleiben ihm die Gäste weg. Dann wendet sich mit einem Mal das Blatt: Zinos findet einen genialischen Koch, und als dessen neue Speisekarte die alte Kundschaft vollends vertrieben hat, tauchen plötzlich neue coole Leute auf, die sich in Massen für das Essen und die Musik im „Soul Kitchen“ interessieren. Aber kaum dass Zinos sich an das abendliche Scheinezählen gewöhnt hat, schlägt wieder sein übliches Pech durch, dem kräftig nachgeholfen wird durch einen Immobilienmakler (Wotan Wilke Möhring), der ein Auge auf das Grundstück geworfen hat – und Zinos Bruder Ilias, der als notorischer Unglücksrabe unfreiwillig seinen Teil beiträgt. Akin ist mit „Soul Kitchen“ eine zum Teil sehr klamaukige, zum Teil aber auch sehr smarte, in jedem Fall aber flotte Komödie gelungen. Der Film strahlt eine so selbstbewusste und mitreißende Lebensenergie aus, dass der Zuschauer über so manch plumpe Entwicklung gnädig hinwegsieht. Den Reaktionen des Publikums am Lido nach zu beurteilen, könnte Akin sich Aussichten zumindest auf einen Regie-Preis machen. Als großer Favorit für den Goldenen Löwen gilt unterdessen Michael Moore, der das Publikum mit seinem „Capitalism - A Love Story“ ebenfalls begeistert hat, wobei man nicht weiß, ob die Jury unter Leitung des taiwanesichen Regisseurs Ang Lee sich für einen Dokumentarfilm wird entscheiden können. Auch geht man davon aus, dass das italienische Prestigeprojekt „Baaria“, die sizilianische Familiensaga des Oscarpreisträgers Giuseppe Tornatore, in der einen oder anderen Form mit einem Preis bedacht wird. Dabei könnte es sich auch gut um einen Darstellerpreis handeln, der in Venedig traditionell bevorzugt an Italiener vergeben wird. Als Liebling der Kritik wird derweilen die israelische Produktion „Lebanon“ gehandelt, der den Einmarsch der israelischen Armee ins Nachbarland in klaustrophobischer Beschränkung auf die Perspektive einer Panzerbesatzung zeigt. Während der Film auf viele eine starke Wirkung bewies, warfen andere ihm vor, zu sehr an der Idee der „subjektiven“ Perspektive zu hängen und so die Situation beliebig erscheinen zu lassen: Es könnte jeder Krieg gemeint sein. Sehr gut aufgenommen, und deshalb ebenso für preiswürdig erachtet, wurde auch der von Deutschland produzierte „Women without Men“, ein Werk der iranischen Fotokünstlerin Shirin Neshat, in dem vier Frauenschicksale in Teheran im Jahre 1953 gezeigt werden. Vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen – der Schah setzt den demokratisch gewählten Präsidenten ab – zeigt Neshat wunderschöne, trauerumflorte Tableaus in Retrofarben, die der Handlung allerdings einiges an Spannung nehmen. Nach einem insgesamt unbefriedigenden Verlauf kam die Mostra mit einer Reihe starker Filme erst ganz am Ende ein wenig in Fahrt. Sehr starke Konkurrenz auf den Goldenen Löwen kam so am Schluss mit Brillante Mendozas „Lola“ hinzu. Der philippinische Regisseur hatte zuletzt in Cannes von sich reden gemacht, wo sein Film „Kinatay“ als einer der meistgehassten Beiträge Festivalgeschichte schrieb, und für den er mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. In seinem neuen Werk folgt er zwei Großmüttern auf heikler Mission: Der Enkel der einen hat den Enkel der anderen überfallen und getötet. Minutiös beobachtet Mendoza die Wege der beiden Frauen, die über viele Hindernisse schließlich einen erstaunlichen Ausgleich und Frieden herstellen. Und auch der letzte Film im Wettbewerb erwies sich als positive Überraschung und käme deshalb für einen Löwen in Frage: das Regiedebüt des Modemachers Tom Ford „A Single Man“. In der Isherwood-Verfilmung fesselt und rührt ein melancholischer Colin Firth als selbstmordgefährdeter, homosexueller College-Lehrer. Wie von Ford zu erwarten bis ins letzte Detail makellos schick inszeniert, gelingt es dem Film, aus dem Gegensatz von perfekten Äußerlichkeiten und einem inneren Mangel ein wunderbar geistreiches Melodram entstehen zu lassen. Genau dafür könnte sich insbesondere Jurypräsident Ang Lee interessieren, der hier vor einigen Jahren mit dem atmosphärisch ähnlich gelagerten „Brokeback Mountain“ selbst den Goldenen Löwen gewann.
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