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Hugo und seine Freunde Neues aus Venedig (5): Oliver Stone präsentiert in Venedig seinen Dokumentarfilm über den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez - der als Gast den Filmen die Schau stiehlt Von Barbara Schweizerhof
Nachdem am Sonntag Michael Moore am Lido für seine Kapitalismuskritik stehende Ovationen geerntet hatte, zog am Montag mit Oliver Stone ein weiteres Idol des kritischen Amerika nach: Stone stellte „South of the Border“, seinen neuen Dokumentarfilm über den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, vor. Zur Premiere kam Chavez höchstpersönlich und gab Autogramme auf dem Roten Teppich, wo er von ein paar wenigen Gegendemonstranten und ein paar mehr Unterstützern mit roten Fahnen begrüßt wurde. Mit dem Trubel, den er damit auslöste, stellte er allerdings die ganzen Hollywoodstars der bisherigen Mostra in den Schatten. Stone hat bereits mit Filmen über Fidel Castro („Comandante“) und Jassir Arafat („Persona non grata“) seine besondere Vorliebe für die erklärten „Feinde Amerikas“ demonstriert. In „South of the Border“ bemüht er sich nun darum, dem in den amerikanischen Medien präsentierten Bild des „Diktators“ und „Linkstyrannen“ Hugo Chavez eine Darstellung entgegenzusetzen, die unverhohlen von Sympathie für den einstigen Rebellen getragen ist. In groben Umrissen schildert er Chavez’ Weg zur Macht und charakterisiert ihn als einen von einer gerechten Sache angetriebenen und demokratisch gewählten Vertreter der Interessen seines Volkes. Der zudem mit seinem starken Auftreten gegenüber den Nordamerikanern Schule gemacht habe: Stone bereist in seinem Film weitere Länder Südamerikas, in denen Linksregierungen in den letzten Jahren an die Macht kamen mit der Agenda, den Vorgaben des Weltwährungsfonds und damit den Wirtschaftsinteressen der USA nicht länger Folge zu leisten. Mit sichtlichen Stolz lässt sich der amerikanische Regisseur auch an der Seite von Boliviens Evo Morales beim Coca-Kauen filmen, sitzt mit Argentiniens Cristina Kirchner auf dem Sofa oder diskutiert mit Paraguays Fernando Lugo auf dem Balkon. Zu Recht könnte man Stone vorwerfen, dass er die schwierige Situation in den Ländern allzu sehr vereinfacht und allzu unkritisch mit den jeweiligen Machthabern verfährt. Ihm gebührt jedoch der Verdienst, auf eine wichtige sozialpolitische Bewegung in Lateinamerika aufmerksam zu machen – die in den amerikanischen Medien, allen voran bei Fox News, bis zur Unkenntlichkeit verunglimpft wird . Der Rummel um Präsident Chavez belegte außerdem, dass in diesem Jahr die Filme, die außerhalb des Wettbewerbprogramms laufen, selbigen in diesem Jahr völlig in den Schatten stellen. Ein Phänomen, das Steven Soderberghs Film „The Informant“ noch bestärkte. Matt Damon spielt den Hochstapler Mark Whitacre, der mit dem FBI kooperiert, um illegale Preisabsprachen in der Nahrungsmittelindustrie aufzuklären. Nur leider stellt sich während der Ermittlungen heraus, dass er selbst mehrere Millionen Dollar veruntreut hat, was wiederum nur der Anfang einer bodenlos scheinenden Kette von Betrug und Selbstbetrug ist. So sehr der dahinter stehende wahre Fall auch fasziniert, gelingt es dem Film nicht, die Geschichte zu jener beißenden Farce werden zu lassen, die Soderbergh offenbar intendierte. Damit reihte sich das Idol des amerikanischen Independent-Kinos ein in die lange Liste der Enttäuschungen, die das Festival in Venedig in diesem Jahr prägen.
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