Einleuchtend modernisiert

„Todeszug nach Yuma“ – James Mangold verfilmt einen Westernklassiker neu

Von Andreas Busche


© Sony

Frankfurt am Main (epd) Mit James Mangolds “Todeszug nach Yuma” kommt nun auch der Western in Hollywood zu Remake-Ehren. Im Fahrwasser von Andrew Dominiks “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford” setzt “Todeszug nach Yuma” das aktuelle Western-Revival in würdiger Manier fort. Mangold hat sich erstaunlich eng an Delmer Daves’ Original aus dem Jahr 1957 gehalten. “3:10 to Yuma” galt seinerzeit neben “Zwölf Uhr mittags“ als Prototyp des psychologischen Westerns, der seine Konflikte nicht mehr in der Weite des amerikanischen Westens verankerte, sondern in den Figuren selbst. Es ging darum, die vagen, vorbürgerlichen Vorstellungen von Zivilisation gegen das nachdrängende Prinzip des Wilden Westens zu verteidigen – während die daraus resultierenden Widersprüche die sich gerade formierende Zivilgesellschaft auf eine harte Probe stellten. Es waren moderne Western, weit komplexer als das, was einen Archetypus wie John Wayne beschäftigte.

Mangold erweitert mit seinem großartigen Remake das Problemfeld der Vorlage, ohne die Geschichte unnötig zu verkomplizieren. “Todeszug nach Yuma” lebt von derselben ökonomischen Raffinesse wie Daves’ Original; der Plot entwickelt sich schnörkellos und zwingend, die Nebenschauplätze der Handlung bleiben übersichtlich. Gleich in der ersten Szene wird die Figur des Ranchers Dan Evans, gespielt von Christian Bale, als Kämpfernatur etabliert, während sich ein interner Konflikt bereits abzeichnet: der zwischen Vater und Sohn. Als mitten in der Nacht ein Gläubiger die Scheune der Familie Evans niederbrennen lässt, ist es Dans ältester Sohn Will (Logan Lerman), der sich todesmutig in die Flammen stürzt, um die letzten Habseligkeiten zu retten. Dan hat im Bürgerkrieg ein Bein verloren, und unter diesem Handicap hat sein Selbstwertgefühl als Ernährer der Familie schwer gelitten. So wird Dans Motivation, bei der Auslieferung des Outlaws Ben Wade (Russell Crowe) an die Behörden mitzumachen, bei Mangold noch etwas deutlicher.

Was Mangolds Version vom Original in erster Linie unterscheidet, ist der düstere Unterton, der “Todeszug nach Yuma” letztlich auch um den rechtschaffenen Optimismus des Originals bringt. Bei der Wahl dieser Hauptdarsteller ist es eine fast konsequente Entscheidung, dass Mangold seine Geschichte offensichtlicher ausspielt, nicht zuletzt um dem Film einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen. Die Bösen sind noch etwas niederträchtiger und rücksichtsloser gezeichnet, und ihnen verdankt der Film einige seiner denkwürdigsten Auftritte. Crowes Ben Wade hat nichts mehr von dem manipulativen Gentleman-Killer, wie Glenn Ford ihn bei Daves verkörperte. Er ist ein Psychopath, wie er im Buche steht. Sein Adjutant, gespielt von Ben Foster, steht ihm in nichts nach.

Die zeitgemäßen Retuschen machen “Todeszug nach Yuma” sehr effizient. Der Überfall auf den Goldtransport am Anfang des Films ist eine mustergültige Actionsequenz von beinah klassischer Qualität, deren Dynamik allein aus der Inszenierung heraus entsteht, statt wie sonst üblich aus der Montage. Unter der kompetenten Regie entwickelt sich “Todeszug nach Yuma” zu einem historischen Actionfilm, der  die Regeln – nicht so sehr die Konventionen – des Westerns vollkommen verinnerlicht hat. Gleichzeitig liefert er auch einen letzten, bitteren Kommentar auf die Figur des Pioniers, der in seiner Fortbewegung immer auf die nachfolgende Modernisierungswelle angewiesen war – die ihn schließlich überflüssig machen sollte.

3:10 to Yuma (USA 2007). Regie: James Mangold. Buch: Halsted Welles, Michael Brandt, Derek Haas (nach einer Kurzgeschichte von Elmore Leonard). Mit: Russell Crowe, Christian Bale, Peter Fonda, Gretchen Mol, Logan Lerman, Ben Foster. 122 Minuten. FSK: ab 16, ff.


 


 


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