”Wir wollen das Publikum gut unterhalten”

Gespräch mit John Lasseter über seinen Animationsfilm ”Cars”

Frank Arnold

John Lasseter
© Buena Vista

Am 7. September startete der Animationsfilm “Cars” in den Kinos: Im Mittelpunkt des neuen Films aus der Animationsfilmschmiede Pixar (“Toy Story”, “Findet Nemo”) stehen diesmal Vierbeiner. Der Film erzählt von einem Rennauto, das in einem Wüstenkaff landet.

Mr. Lasseter, mit “Die Unglaublichen” hat uns Pixar zum ersten Mal realistische und glaubwürdige menschliche Figuren in einem computeranimierten Film gezeigt – in “Cars”  dagegen gibt es überhaupt keine Menschen.

Schon sehr früh hatten wir diese Idee – es war einfach interessanter. Wir hatten viel Spaß dabei, die Parallelen zu finden: ein Auto braucht Benzin, also begibt es sich zu einer Tankstelle, ein Mensch braucht Nahrung, also geht er in ein Restaurant. Bei uns verschmelzen beide. Mein liebstes Beispiel ist das Reifengeschäft, das für die Autos wie ein Schuhgeschäft ist – bin hin zum Spiegel, wo man überprüfen kann, wie die Reifen an einem sitzen.

Wird das einen Einfluss auf künftige Pixar-Filme haben? Nur noch Parallelwelten ohne Menschen?

Jeder Pixar-Film ist anders, es gibt keine Formel, darauf sind wir stolz bei Pixar. Unser nächster Film ist “Ratatouile”, in dessen Mittelpunkt eine Ratte steht, deren Ziel es ist, Küchenchef in Paris zu werden. Darin wird es auch menschliche Figuren geben.

Aber mehr als Randfiguren wie in früheren Pixar-Filmen?

Nein, diesmal haben sie größere Rollen. Menschliche Figuren sind im Computer schwer zu erschaffen, deshalb waren wir auf “Die Unglaublichen”  entsprechend stolz. Dieses Wissen und diese Technologie wird in den neuen Film einfließen.

Was wird die besondere Herausforderung an “Ratatouille” sein?

Die Nagetiere, die Ratten, sind sehr flexibel in ihren Bewegungen, deshalb haben wir eine ganze Reihe neuer Technologien entwickelt, die auf dem “squash and stretch’-Konzept basieren, das in der handgezeichneten Animation sehr erfolgreich angewandt wurde, aber das in der Computeranimation schwer hinzukriegen ist.

Das neue Abkommen zwischen Pixar und Disney, das Ihnen auch Verantwortung für die Animationsfilme von Disney überträgt, wird “Cars” wohl für längere Zeit zu Ihrer letzten Regiearbeit machen?

Bei Pixar habe ich schon seit langer Zeit zwei Hüte getragen, Filme zu inszenieren und die kreative Arbeit des Studios zu überwachen. In nächster Zeit werde ich keinen Film inszenieren können, aber man sollte nie “Nie” sagen. Ich habe zwar schon einige Ideen, aber die müssen warten.

Gibt es einen Plan für das künftige Verhältnis von Pixar- und Disney-Animationsfilmen? Mit “Himmel und Huhn” hat Disney ja mittlerweile einen eigenen Animationsfilm in Computertechnik vorgelegt. Der handgezeichnete “Bambi 2” kam in den USA direkt auf DVD heraus, während er in Deutschland im Kino zu sehen war.

Bei Disney sind eine ganze Reihe von Filmen in Vorbereitung, die noch nicht alle angekündigt wurden. Wenn es ein Studio auf der Welt gibt, das Zeichentrickfilme herstellen sollte, dann Disney. Die Entscheidung, diese Filme nicht mehr zu machen, verstehe ich nicht. Eine Reihe von Studios in Hollywood haben die Idee, dass das Publikum die nicht mehr sehen will. Stellen Sie Sich vor, ein Studio hätte eine Reihe von Realfilmen herausgebracht, die Kassenflops waren. Dann würde auch niemand sagen, “Das Publikum will offenbar keine Filme sehen, die mit dieser Kamera aufgenommen wurden.” Nie in der Filmgeschichte war ein Film ausschließlich wegen seiner Technik erfolgreich. Es ist das, was die Filmemacher mit dieser Technik anstellen, das das Publikum unterhält. Schauen Sie Sich nur die Zeichentrickfilm von Miyazaki an. Bei den vergangenen Oscar-Nominierungen war kein computeranimierter Film dabei, es gab vielmehr alle anderen Arten von Animation wie Puppentrick oder Knetanimation.

Könnte eine Zeit kommen, wo es für das Publikum schwierig wird, einen CGI-Film von Pixar von einem CGI-Film von Disney zu unterscheiden? Wäre das ein Problem für Sie?

Das Wichtigste ist es, dass das Publikum gut unterhalten wird. Ein Studio, das sind die Leute, die darin arbeiten. Wir werden Disney nicht in Pixar verwandeln, denn beide Studios haben ihre eigenen Künstler. Pixar ist das einzige Studio in der Welt, das von Regisseuren bestimmt wird, nicht von Executives. Wir werden Disney von einem Studio, das von Executives bestimmt wird, umgestalten zu einem, das von Regisseuren bestimmt wird, so dass die Künstler die Kontrolle haben.

In diesem Jahr kommt mehr als ein Dutzend computeranimierter Filme allein aus amerikanischen Studios in die Kinos. Das verleiht der Gattung einerseits einen Auftrieb, aber kann es nicht auch zum Problem werden, wenn nicht alle Filme so originell sind wie die von Pixar?

Das ist bei Realfilmen ja auch nicht der Fall. Ich bin lieber Teil einer gesunden Industrie als der Einzige in einer Branche, der es schlecht geht, Ich sehe die anderen Studios nicht als Konkurrenten. Konkurrenz ist, wenn ein Film von uns heraus kommt und eine Familie in ein Multiplex geht, wo ganz verschiedene Filme laufen und sie die Wahl hat zwischen allen möglichen Arten von Filmen und sie sich für unseren Film entscheiden. Ein Film, der sechs Wochen vor unserem in Kinos kommt, ist nicht wirklich ein Konkurrent, sondern ein Kollege in der Community. Mein Traum ist, dass alle Filme wirklich gut sind, denn dann wird sich das Publikum auf den nächsten freuen. Es gibt immer bessere und schlechtere, aber ich hoffe, sie laufen so gut, dass die Studios, die sie hergestellt haben, weiterhin Animationsfilme unterstützen und die beteiligten Künstler in dieser Industrie hält.

“Ice Age 2” war ein großer Erfolg und für das nächste Jahr wird “Shrek 3” angekündigt. Gibt es auch bei Pixar Überlegungen für Fortsetzungen?

Möglicherweise. Unter unserem alten Vertrag mit Disney waren uns Sequels verboten, wir hatten eine Übereinkunft über fünf Filme, wobei Sequels nicht zählen, “Toy Story 2” zählte also nicht. Unter den neuen Bedingungen sind wir alle Teil derselben Familie, wir haben damit auch die Kontrolle über mögliche Sequels, was uns mehr Möglichkeiten eröffnet. Aber konkrete Pläne gibt es noch nicht.

Als Jeffrey Katzenberg für “Ab durch die Hecke” in Deutschland war und ich ihn fragte, ob die zahlreichen Animationsfilme aus anderen Studios die Arbeit oder die Herausbringung von DreamWorks-Animationsfilmen beeinflussen, nannte er mir seine Startdaten für die nächsten Jahre und sagte, das sei alles von langer Hand geplant. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Wir kündigen unsere Planungen nicht so langfristig an, aber da ein Film vier Jahre benötigt und wir jedes Jahr einen Film herausbringen wollen, ohne dabei Abstriche an der Qualität zu machen, haben wir vieles in Arbeit.


 


 


epd Film Abonnement



© epd Hinweis zum Urheberrecht



 
Anzeigen