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Eine folgenreiche Landpartie Der französische Film „Malen oder Lieben“ erzählt sympathisch von den erotischen Eskapaden eines bürgerlichen Ehepaars von Heike-Melba Fendel (epd) Frankfurt/ M (epd): Man muss Dinge nur langsam genug erzählen, um ihnen Bedeutung zu geben. Langsam also, aber keineswegs langatmig, stellen uns die Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrieu in ihrem zweiten Spielfilm „Malen oder Lieben“ Madeleine vor. Sie wird über 50 sein, aber ihre schlanke, von körpernahen Kleidern betonte Gestalt und der schalkhafte Blick erzählen etwas Anderes. Sie geht einem nicht näher bezeichneten Beruf und einem sehr genau gezeichneten Hobby nach: der Landschaftsmalerei. Sie dilettiert, das ist ihr egal. Sie ist ein eifriger Mensch, eher neugierig als spießig. Als also ein blinder Fremder sie beim Malen in der Natur, irgendwo am Fuß der französischen Alpen, überrascht und anbietet, ihr ein zum Verkauf stehendes Haus inmitten alter Nussbäume zu zeigen, folgt sie ihm und seiner Logik: „Wissen Sie“, sagt er, „Hausbesitz ist auch eine Emotion.“
Auch Madeleines Mann William, ein ehemaliger Meteorologe, lässt sich von der halbverfallenen Pracht des abseitigen Bauernhauses beeindrucken. Mit der Leere seines frühen Ruhestandes hadernd, weiß er nicht wohin mit sich und seinen Vorhersagen. Bei der Besichtigung entdeckt das Ehepaar sein Begehren füreinander wieder. Die beiden haben Sex – hinter verschlossenen Läden, noch bleibt die Inszenierung diskret. Und sie lässt sich weiter Zeit. Wir sehen ausführlich und immer wieder, was Franzosen so tun, wenn sie für sich sind: Einrichten, Kochen, Essen, Rotwein trinken, Weißwein trinken, Whiskey trinken. Währenddessen wechseln die Jahreszeiten am dunstigen Hang vor dem sich stetig verschönernden Haus. Die Besucher bleiben gleich, es sind nur zwei, der Blinde und seine schöne dunkelhaarige Frau. Sie heißen Adam und Eva. Es ist jenes vorbewusste Begehren, das Menschen scheinbar absichtslos zueinander zieht, das hier die längste Zeit zu sehen ist. Und es geht über Kreuz, jede mögliche Beziehungsachse lädt sich allmählich erotisch auf, wie auch der langsame Film, in dem überaus wenig passiert – bis „es“ passiert. Die folgende Verwirrung des bürgerlichen Paares, das Stemmen gegen das Ungeheuerliche wirken gleichzeitig possierlich und irrational. Man kann „Malen oder Lieben“ als Groteske sehen, sich über eine allzu platte Metaphorik (Adam und Eva, der sehende Blinde) mokieren und sich fragen, ob das neuerliche Erwachen von Sinnlichkeit und Begehren in fortgeschrittenem Alter wirklich abendfüllend ist. Das jedoch wäre schade. Denn die beiden Regisseure traumwandeln sicher im Aberwitz. Klein die Verschiebungen, die Gesten, das scheue Lächeln des staunenden Daniel Auteuil, die Anflüge von Kindlichkeit bei Sabine Azéma. Groß die Konsequenzen für beider Leben. Ist sogenannte sexuelle Ausschweifung im Kino oft Ausdruck bürgerlicher Dekadenz, so markiert sie hier deren Ende. Madeleine und William haben einen Schatz gehoben. Arnaud und Jean-Marie Larrieu haben ihn für sie und alle, die abseits des Zeitgeists ihrer eigenen Abenteuerlust folgen, deponiert. Sie haben einen eigenwilligen Film gemacht. Ein bisschen sentimental ist er durchaus, ein bisschen peinlich auch. Aber weil die Regisseure das im Dienste und Sinne ihrer Figuren gezielt in Kauf genommen haben, ist er auf seine Weise sehr, sehr cool. Peindre ou faire l’amour, Frankreich 2005. Regie und Buch: Arnaud und Jean-Marie Larrieu. Länge: 98 Min. Mit: Sabine Azéma, Daniel Auteuil, Amira Casar, Sergi Lopez. FSK: 12, ff. epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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