Hier kommt Lola! Kritik und Interview (Start: 4.3.)

Franziska Buchs neuer Jugendfilm basiert auf dem gleichnamigen Roman von Isabel Abedi

Von Frank Arnold

Meira Durand
© Fotos: Constantin

Lola kann manchmal ganz schön zickig sein! „Flo stinkt!“ entfährt es der Neunjährigen, als sie in der neuen Schule einen Platz neben ihrer Mitschülerin zugewiesen bekommt. Dabei sollte man gerade von Lola Toleranz erwarten können, ist sie doch eben erst mit ihren Eltern in die Großstadt Hamburg gezogen, weil ihr brasilianischer Vater in der Kleinstadt wegen seiner dunklen Hautfarbe diskriminiert wurde.

Aber perfekt ist Lola eben nur, wenn sie abends im Bett liegt und sich in ihr zweites Ich hineinträumt, einen Popstar namens Jackie Jones. Mit dem beginnt auch dieser Film, und der Zuschauer befürchtet nach dem „High School Musical“-Aufguss „Rock it!“ nun die deutsche Variante von „Hannah Montana“ vorgesetzt zu bekommen, einem anderen erfolgreichen Disney-Format. Dem ist glücklicherweise nicht so, im Gegenteil, das Fantasieelement spielt der Film gegenüber der Buchvorlage herunter und zeigt stattdessen, wie Lola die Probleme ihres Alltagslebens meistert.

Lola größter Wunsch ist es, eine „beste Freundin“ zu finden – was gar nicht so einfach ist, die erste erweist sich als recht vornehm, die zweite hat einen total durchgeplanten Alltag mit jeder Menge musikalischer und anderer Beschäftigungen. Und Floh stinkt eben. Warum das so ist (ihre Mutter arbeitet an einer Fischbude im Hamburger Hafen, und Floh macht dort am Nachmittag ihre Hausaufgaben), erfährt der Zuschauer früher als Lola. Und dann schiebt sich auch noch ein weiteres Problem zwischen die beiden, als Lola sich von Flo hintergangen fühlt.

 

„Hier kommt Lola!“ überzeugt durch die realistische Alltagsdarstellung und gefällt durch die Kabbeleien der Erwachsenen, wenn die Spontaneität von Lolas brasilianischem Vater durch seinen Schwiegervater (den Axel Prahl auf seine unnachahmliche Art gibt) immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht wird, der dabei allerdings oft etwas Bevormundendes hat. Im großen Finale aber fällt dann die Eröffnung des brasilianischen Restaurants mit einem Bühnenauftritt von Lola und Flo zusammen.

„Hier kommt Lola!“ basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Isabel Abedi, dem mittlerweile fünf weitere „Lola“-Bücher nachgefolgt sind. Auf weitere Leinwandabenteuer von Lola und Flo darf man sich also freuen und damit auch auf die jungen Darstellerinnen Meira Durand und Felina Czycykowski.     

 

Clash der Kulturen

Interview mit Regisseurin Franziska Buch

Frau Buch, was ist das Besondere am „Lola“-Stoff?
Dass die Autorin Isabel Abedi eine sehr lebendige Art hat, die Alltagswelt zu zeigen. Wir haben hier eine multikulturelle Familie, die mit einer sehr großen Selbstverständlichkeit gezeigt wird, ohne erhobenen Zeigefinger und mit all der Lebendigkeit und Turbulenz, die so ein Clash der Kulturen mit sich bringt. Wir verschweigen aber auch nicht, was es immer noch heißt – vor allem in der Provinz –, einen farbigen Vater zu haben. Diese Lebensnähe mochte ich sehr gerne und auch das Schwanken zwischen zwei Welten, wo ein Kind, das in einer glücklichen Familie aufwächst, trotzdem unter einem eklatanten Mangel leidet und sich nachts in eine Traumidentität flüchtet. Ich glaube, dass das viele Kinder machen, ich habe das auch gemacht vor dem Einschlafen, das war ein Ritual.

Die Traumsequenzen, in denen Lola sich als Popstar Jacky Jones sieht, sind aber im Film viel zurückgenommener…
Das war auch das Bedürfnis, uns von „Hannah Montana“ zu unterscheiden - eine viel intimere Geschichte, wo es nicht um eine reale Pop-Identität geht, sondern um ein Mädchen, das sich aus seiner Einsamkeit hinausträumt in eine Welt, wo es gesehen und geliebt wird. Der Anfang schaut ganz bewusst ein bisschen so aus, aber dann war es uns doch wichtig, das mehr in ihrem Alltag anzusiedeln.

Wie weit war Isabel Abedi involviert?
Sie hat die Drehbuchfassungen gelesen und ihre Anmerkungen gemacht, hatte auch ein Mitspracherecht bei der Besetzung, hat sich da aber sehr zurückgehalten. Da hat sie uns ziemlich vertraut.

Lola, die Hauptfigur, hat ja auch ihre negativen Seiten…
Das fand ich auch sehr auffällig, dass das nicht so ein heldenhafter Charakter ist, sondern ein Mädchen, das durchaus ungerecht sein kann, Vorurteile hat, auch mal zickig sein kann und gegenüber einem anderen Mädchen sehr abwehrend auftritt. Es stimmt, es gibt manchmal eine Tendenz im Kinderfilm, dass das kleine Helden sind, die ein außerordentliches Schicksal zu bewältigen haben, so dass wenig Raum für charakterliche Vielschichtigkeit bleibt.

Die Auseinandersetzungen zwischen dem Papi und dem Schwiegervater nehmen in der Romanvorlage nicht denselben Umfang ein…
Das stimmt, das haben die Autorinnen erweitert.

Bei Axel Prahl hatte ich immer den Eindruck, die Dialoge seien für geschrieben wurden, so trocken, wie er die rüberbringt.
Nachdem er besetzt worden war, ist die Figur ihm ein wenig angepasst worden, das Sparring mit seinem Schwiegersohn wurde noch einmal ausgebaut, Axel Prahl hatte selber einige Ideen dazu, die wir auch aufgenommen haben. Er hat aber auch eine derartige Spiel- und Improvisationsfreude, dass sich viel ergibt beim Drehen.

Das kommt Ihnen entgegen?
Ja, wenn ein Schauspieler seinen eigenen Raum kreieren kann, ist das sehr schön, auch weil das ein Kontrast zu der Arbeit mit den Kindern ist, bei denen man eine ganz andere Art von Spielfreude ansprechen muss.

Wie zeitaufwendig war das Casting?
Das hat insgesamt ein dreiviertel Jahr gedauert, weil es darum ging, Kinder zu finden, die nicht nur spielen, sondern auch singen und tanzen können.

Gab es da von Seiten der Produktion oder von Ihrer Seite den Anspruch, unverbrauchte Gesichter zu finden?
Das erledigt sich oft schon durch das Alter der Kinder. Oder aber, wenn die Kinder mit bestimmten Rollen identifiziert werden, wie Sidonie von Krosigk, die die Titelrolle in den beiden „Bibi Blocksberg“-Filmen spielte. Und da es darum ging, eine Neunjährige zu finden, war nicht unbedingt der Anspruch da, eine Novizin zu finden, sondern jemand, der diese Rolle füllen kann. Es war also Zufall, dass Meira Durand hier ihre erste Filmrolle spielt.

Mussten Sie schon einmal die Erfahrung machen, dass kindliche Darsteller beim Dreh nicht den Anforderungen genügen konnten, dass sie nicht mehr so gut waren wie beim Casting?
Zum Glück nicht. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass ich sehr genau besetze. Meira Durand ist achtmal zum Casting angetreten, das zog sich über ein dreiviertel Jahr hin. Abgesehen vom Talent muss ein Kind die Kondition haben, die Anstrengungen auszuhalten bei den Dreharbeiten, auch ein stabiles Umfeld ist sehr wichtig. Wir sehen uns deshalb auch sehr genau die Familien an.

Wie weit wird das Casting ortsbezogen durchgeführt, damit die Kinder nach Drehschluss am Abend wieder in ihrem vertrauten Umfeld sind?Dieser Film wurde in komplett in Hamburg gedreht, die beiden Mädchen kamen aber aus Berlin. Die haben mit ihren Eltern in der Zeit in Hamburg gelebt.

Ob es Fortsetzungen gibt, hängt natürlich vom Kinoerfolg des Films hat. Sichert man sich in Anbetracht der Tatsache, dass die Kinder so schnell größer werden, vorab deren Mitwirkung?
Bei Projekten dieser Art ist es schon die Regel, die Schauspieler für drei Filme zu verpflichten.

Dies ist Ihr dritter Kinderfilm. Besteht da die Gefahr, dass man festgelegt wird und keine Erwachsenenstoffe mehr angeboten bekommt?
Das geht in Deutschland immer ganz schnell. Ich habe in der Zwischenzeit im Fernsehbereich ausschließlich Erwachsenenstoffe gemacht, ich habe eine Komödie gedreht, danach habe ich plötzlich fast nur noch Komödienstoffe angeboten bekommen, also habe ich ein Drama gedreht. Aber ich habe immer darauf geachtet, dass ich nach einem Family Entertainment Film einen Erwachsenenstoff gemacht habe. Beim Kinderfilm ist man sicherlich auf eine andere Weise gefordert, aber man wird auch belohnt durch das Unverbrauchte der Kinder, durch ihre Unmittelbarkeit, ihre Wahrhaftigkeit.

Mit Franziska Buch sprach Frank Arnold

 


 


 


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