Shrek der Dritte

Allmähliche Verspießerung eines Außenseiters: Shrek wird König

von Frank Arnold


© Fotos: Universal

Eine Erfolgsgeschichte: vom Sumpf auf den Thron, vom Außenseiter zur Galionsfigur eines Multimillionendollarimperiums. Ist es ein Zufall, dass die Farbe des Protagonisten auch die Farbe des Geldes ist?

Im Jahr 2001 kam der Animationsfilm Shrek in die Kinos, in dem sich ein „hässlicher“ Riese, der Oger Shrek, als herzensgutes Wesen erwies und die Schurken Menschengestalt hatten. Der Film, der altvertraute Märchenmotive lustvoll auf den Kopf stellte, spielte weltweit 479 Millionen Dollar ein, ein Markenzeichen war geboren, ein Unternehmen, das selbstverständlich nach einer Fortsetzung verlangte. Drei Jahre später kam der zweite Teil in die Kinos und verdoppelte das weltweite Einspielergebnis nahezu. Teil drei war also unvermeidlich.

Angesichts dieser Entwicklung ist die schönste Idee des neuen Films nur konsequent: Da der einstige Außenseiter Shrek heute kaum noch jemanden von seiner Liebenswürdigkeit überzeugen muss, fällt die Außenseitererrolle in diesem Film den ewigen Schurken der Märchen zu. Sie erhalten eine zweite Chance – von dem im vorangegangenen Film ausgebooteten Prinz Charming, der sie in einer heruntergekommenen Taverne als seine Hilfstruppen anheuert, mit dem Versprechen, diesmal würde es für sie ein Happy End geben. Das gibt es dann tatsächlich, aber anders als Charming sich das gedacht hat. Bei der finalen Konfrontation zwischen ihm und Shrek nämlich appelliert der Oger an ihr „wahres Ich“ – woraufhin viele von ihnen offenbaren, dass in ihnen eine gute Seele schlummert. So träumt die böse Stiefmutter davon, in Paris ein Geschäft zu eröffnen, und Captain Hook hat bereits erfolgreich eine Rose gezüchtet.

Das ist wirklich eine hübsche Idee, die ganz in der Tradition des ersten Shrek steht. Ansonsten setzt der Film auf die bewährten Figuren, zumal den Esel und den gestiefelten Kater, die sich in ihren fortwährenden Streitereien als eingespieltes Team zeigen. Wenn sie diesmal durch einen nicht ganz gelungenen Zauberspruch zeitweilig die Körper vertauschen, ist das allerdings nicht wirklich komisch, sondern mehr wie das Abhaken einer komischen Attraktion aus dem Fundus. Und den Zauberer Merlin als gealterten Hippie zu präsentieren, ist nicht wirklich originell. Die aktuellen Referenzen an die Popkultur sind diesmal glücklicherweise etwas verhaltener ausgefallen als im Vorgänger, dennoch wäre es nicht verwunderlich, wenn wir im vierten Teil erleben könnten, wie eine verdorbene Prinzessin zu ihrer eigenen Überraschung ins Gefängnis geworfen wird (gesprochen natürlich von der echten Paris Hilton).

Eine Geschichte erzählt der Film auch, aber große Bedeutung kann man der kaum zumessen: Nach dem Tod des Königs fällt sein Amt an Shrek, was diesen wenig begeistert, viel lieber würde er sein Nichtstun im Sumpf fortsetzen. Doch mit dieser Sorglosigkeit ist es sowieso bald vorbei, denn Gattin Fiona erwartet Nachwuchs. Unterdessen reißt Charming die Macht im Land Weit-Weit-Weg an sich und plant, sich selbst in einem Musical zu inszenieren, in dem er Shrek besiegt. Entsprechend findet das Finale auf der Bühne statt.

Jeffrey Katzenberg hat übrigens kürzlich angekündigt, nach dem fünften Shrek-Film solle Schluss sein – nicht ohne überdies ein TV-Special und eine Musicalversion anzukündigen. Oh Schreck. 

Zweite Fortsetzung des computeranimierten Erfolgsfilms um den grünen Riesen. Die Außenseiterrolle fällt diesmal den ewigen Schurken der Märchen zu, aber ansonsten hat der Film weder eine originelle Geschichte noch ausgefeilte Komik zu bieten.

Shrek the Third
USA 2007. R: Chris Miller, Raman Hui. B: Jeffrey Price, Peter S. Seaman, Chris Miller, Aron Warner (nach dem Buch von William Steig). P: Aron Warner. Sch: Michael Andrews. M: Harry Gregson-Williams. T: Andy Nelson, Anna Behlmer. A: Guillaume Aretos, Peter Zaslav. Animation: Tim Cheung, Anthony Hodgson, Chung Nin Chan, Paul Chung, Lou Dellarosa, Eric Lessard. Sp: Philippe Gluckman, Ken Bielenberg. Pg: DreamWorks/Pacific Data Images. V: Universal. L: 93 Min. FSK: ohne Altersbeschränkung.

epd Film 7/2007



Start: 21.6. (D, A, CH)


 


 


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