|
Ocean's 13 Steven Soderbergh und George Clooney – wieder in Las Vegas Von Gerhard Midding
Das big caper-Genre ist eine hübsche Metapher für das Filmemachen selbst. Schließlich spiegelt sich in der minuziösen Vorbereitung und Ausführung eines Einbruchs auch der filmische Schaffensprozess. Beide gelingen nur dank der Komplizenschaft von Spezialisten, die sich verschworen haben, ihre jeweilige Virtuosität in den Dienst einer gemeinsamen Sache zu stellen. Eine vorzügliche Gelegenheit für Filmemacher, der eigenen Arbeit eine Aura heroischer Professionalität zu verleihen – natürlich nur, wenn der Film geglückt ist.
Das erfordert freilich ein Maß an Finesse und Fantasie, das sich kaum noch ein Drehbuchautor zutraut. Zudem ist es ein altmodisches Genre, das beträchtliche Geduld und Aufmerksamkeit verlangt, zwei Eigenschaften, die amerikanische Produzenten ihrem Publikum nur noch selten unterstellen. Die demonstrative Unaufgeregtheit der Bande von Danny Ocean verträgt sich eigentlich denkbar schlecht mit den Regeln des Suspense, die im Genre herrschen. Diesen inneren Widerspruch vermochten weder das Original noch die ersten Teile der Remake-Serie aufzulösen. Umso stärker ist indes ihre Affinität zum Narzissmus des Genres. Die Mühelosigkeit, mit der die Titel des zweiten und dritten Teils die Gegenspieler vereinnahmen verrät, dass ihre Raison d’être die bloße Anwesenheit der Stars ist. Die Ocean-Filme sind nicht an der Konstruktion der Plots interessiert, sondern an der Konstruktion von Ruhm. Der Neuzugang ist dieses Mal Al Pacino als rücksichtsloser, egomanischer Casino-Mogul Willy Banks; schade nur, wie ungalant Ellen Barkin als seine Assistentin durch die Maschen dieses exklusiv maskulinen Netzwerkes fallen muss. Weil Banks ihren Freund Reuben so schäbig übervorteilt hat, dass er eine Herzattacke bekam und seither im Koma liegt, schwören Ocean, Rusty und die Anderen Rache. Schon, um Reubens Lebensgeister wieder zu wecken, wollen sie Banks’ Imperium und seinen Ruf bei der Eröffnung seines neuen Casinos ruinieren. Die Vergeltung vollzieht sich mit gewohnt staunenswerter Logistik und ist Anlass für einige durchaus ulkige Slapstick-Einlagen. Aber der Parcours der Täuschungen und Demütigungen wird natürlich immer nur für die Anderen gefährlich.
Der launige Gucci-Macchiavellismus der Serie indes erfährt im dritten Teil eine bezeichnende Wandlung. Während das Original von 1960 dem reuelosen Hedonismus des Ratpack um Frank Sinatra und Dean Martin schmeichelte – die Dreharbeiten in Las Vegas waren 1960 letztlich nur der Vorwand für ein legendäres Bacchanal –, demonstrieren die Protagonisten des Remakes neben ihrer Coolness vor allem Wohltätigkeit. Auch Ocean’s Thirteen ist ein Begleitfilm zur Party: Bei der Premiere wurden, wenn man der Regenbogenpresse Glauben schenken darf, erkleckliche Summen für Darfur gespendet. Es scheint, als wollten George Clooney und Steven Soderbergh dem Prinzip der Mischkalkulation, auf dem ihre bisherige Zusammenarbeit basierte – jeder Ocean alimentiert ein ambitionierteres Projekt wie Solaris –, nun endgültig jeden Hauch des Zynischen nehmen. Als würde der Freundschaftsdienst der Helden nicht genügen, um ihre Noblesse zu beglaubigen, wird ihre moralische Berührbarkeit emsig durchdekliniert. Es ist zwar amüsant, wenn Clooney und Brad Pitt verschämt eine Träne zerdrücken, als sie sehen, wie Oprah Winfrey in ihrer Show die existenziellen Probleme der kleinen Leute löst, bleibt aber doch im Rahmen ironisch gefälliger Selbstbezüglichkeit. Immerhin sorgt das soziale Gewissen der Gentleman-Gauner für einen der wenigen Suspense-Momente: Zwei der 13, die in einer mexikanischen Fabrik die Würfel für Banks‘ Casino manipulieren sollen, sind so empört über die Ausbeutung ihrer Kollegen, dass sie einen Streik anzetteln. Wer jedoch ernsthaft glauben wollte, dass das Gelingen der Mission scheitern könnte, besitzt eine Unschuld, mit der keiner der Ocean-Produzenten kalkulieren dürfte. Nach ihrer etwas holprigen Europa-Eskapade ist die wachsende Einbrecher-Truppe um Danny Ocean nach Las Vegas zurückgekehrt. Um einen betrogenen Freund zu rächen, wollen Clooney & Co einen egomanischen Casino-Mogul in den Ruin stürzen. und überwinden dabei in gewohnt lässiger Manier jedes Hindernis. The Namesake
epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
||||||









