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Offside Fußballkomödie aus dem Iran
Bahrainische Frauen dürfen zuschauen beim Fußballspiel Iran – Bahrain. Warum also dürfen iranische Frauen nicht ins Stadion? Doch gegen religiöse Verbote sind rationale Argumente verschwendeter Atem: Sie müssen draußen bleiben, die Hand voll Mädchen, die nacheinander dabei erwischt wurden, wie sie sich mit Basecap und Hosen verkleidet ins Stadion zu schmuggeln versuchten. An der Tribünenmauer hinter Absperrgittern zusammengepfercht, erhaschen sie lediglich die Echos des Spiels. Und sie streiten sich mit den jungen Soldaten aus der Provinz, die ihren Militärdienst ableisten und restlos überfordert sind, die wortgewandten Teheranerinnen im Zaum zu halten. Rund um das reale WM-Qualifikationsspiel Iran – Bahrain hat Jafar Panahi eine kleine Komödie gedreht, fast in Echtzeit, die wie lockeres, halbdokumentarisches Stegreif-Theater daherkommt. Im Unterschied zu seinem bedrückenden Drama Der Kreis, der Frauen als Gefangene im eigenen Land zeigte, präsentiert sich sein neuer Film nun als gespielter Witz über die islamistische Geschlechter-Apartheid, in dem sich Unterdrückte so munter wie Flöhe im Sack gebärden. Am Ende sitzen die Frauen zwar auch im Bus zum Gefängnis, doch die patriotische Fußballbegeisterung führt zu einem hoffnungsvollen Happy End, zu dem der Sieg des Iran über Bahrain entscheidend beiträgt.
Dass Fußball ein Instrument zur Emanzipation sein kann, hat zuerst die stilbildende Komödie Kick it like Beckham vorgeführt. Offside ist als Fußballkomödie ohne Fußball noch viel hintergründiger. In der intelligentesten Szene nämlich bilden die frustrierten Mädchen innerhalb der Absperrung ein imaginäres Spielfeld und beziehen die Wachsoldaten in die Mannschaft ein, die sich, mitgerissen vom Sachverstand und der Begeisterung der Fans, widerspruchslos dem Kommandoton der Spielmacherin fügen. Und es hebt die Stimmung ungemein, dass der Film keine bösen Bärtigen zeigt, sondern fast ausschließlich junge Leute.
Die Komödie versucht einen Spagat zwischen Zensur und Aufklärung, indem sie den Konflikt im patriotischen Siegestaumel auflöst. Doch trotz seiner Versöhnlichkeit darf der Film, der auf der Berlinale den Silbernen Bären gewann, nicht im Iran gezeigt werden – man streitet sich jetzt darüber, ob zumindest verheiratete Frauen ins Stadion dürfen. Man darf gespannt sein, welche Komödien der Irrwitz der Mullahs noch hervorbringt. Birgit Roschy Während des WM-Qualifikationsspieles Iran gegen Bahrain müssen junge Soldaten weibliche Fußballfans bewachen, die versucht haben, sich in Männerkleidung ins Stadion zu schmuggeln. Jafar Panahis etwas andere Fußballkomödie entlarvt mit leisem Humor den alltäglichen Irrwitz der iranischen Geschlechter-Apartheid. Offside Start: 29.6. (D) epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Panahi betrachtet von ganz nah den Widerspruch zwischen offizieller Doktrin und alltäglicher Umgebung, schmuggelt ein paar satirische Halbsätze über die Lizenz zum Fluchen im Fußballstadion ein und entlarvt mit leisem Humor das Schildbürgertum eines Staates, der die Hälfte seiner Bevölkerung ins Abseits zwingt. So hat die kreative Trickserei der Frauen, die, egal ob schüchtern oder frech, sich mit Cross-Dressing Männerprivilegien aneignen wollen, von Anfang an eine burleske Note: eine probiert’s mit Blindenstock, eine trägt gar Soldatenuniform. Als ein Mädchen aufs Klo muss und vom Bewacher zum sittlichen Schutz eine Maske aus dem Plakat des iranischen Fußballstars und FC-Bayern-Mittelfeldspielers Ali Karimi gebastelt bekommt, ist der Gipfel der Absurdität erreicht.
Doch so amüsant diese filmische Fußnote zum globalen WM-Rummel auch ist, so viele Fragen wirft sie auf. Völlig ausgeklammert wird, was konkret die Mädchen bei der befürchteten Auslieferung an die „Sittenpolizei“ erwartet. Und angesichts von Berichten über weibliche Fans, die im Juni vergangenen Jahres von der Polizei zusammengeknüppelt wurden, wirkt die bloße Genervtheit der Bewacher hier eher unwahrscheinlich. 