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Falscher Bekenner Christoph Hochhäuslers Porträt eines Jugendlichen
Den Auguren der französischen Filmkritik (sie publizieren in „Le Monde“ und den „Cahiers du Cinéma“) gilt Christoph Hochhäusler als Galionsfigur einer Erneuerung des deutschen Kinos, wie sie auch in Filmen von Angela Schanelec, Christian Petzold, Jessica Hausner oder Ulrich Köhler zu beobachten sei. Sie lobten sein Spielfilmdebüt Milchwald bei der Berlinale 2003 überschwänglich als besten Film des Festivals und priesen auch Falscher Bekenner (Cannes 2005) als stilistisch souveräne Seismographie eines aktuellen Lebensgefühls der Sprachlosigkeit, Erstarrung und Gefühlsgefrorenheit. Hier zu Lande wird Hochhäusler – Jahrgang 1971, Absolvent der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, Mitherausgeber der Filmzeitschrift „Revolver“ – nicht so hoch gehandelt, und man muss froh sein, wenn seine Filme überhaupt den Weg ins Kino finden. Das Schicksal des Propheten, der im eigenen Land wohl einige Bewunderer hat, aber kaum seinem Rang gemäß geschätzt wird. Tatsächlich behalten die Franzosen Recht, wenn sie auf das Außerordentliche seines Talents aufmerksam machen: Hochhäuslers pikturale Präzision, seine Fähigkeit, die Realität als verwunschenen Ort existentieller Konfusion und Leere erscheinen zu lassen.
Rainer Gansera Gelangweilt von der Banalität seiner Welt, erfindet sich ein 18-Jähriger ein abenteuerliches Leben. Stilistisch souveräne, eindringliche Beschreibung eines Lebensgefühls der Einsamkeit und Leere und der Ausflucht in imaginäre Revolten. Deutschland 2005. R und B: Christoph Hochhäusler. P: Bettina Brokemper. K: Bernhard Keller. Sch: Stefan Stabenow. M: Benedikt Wolfgang Schiefer. T: Wolfgang Vogl. A: Beatrice Schultz. Ko: Susanne Sasserath. Pg: Heimatfilm. V: Piffl Medien. L: 90 Min. FSK: 12, ff. DEA: Berlinale 2006. Da: Constantin von Jascheroff (Armin Steeb), Manfred Zapatka (Martin), Victoria Trauttmansdorff (Marianne), Laura Tonke (Christiane), Nora von Waldstätten (Katja Fichtner), Thomas Dannemann (Herr Kleine).
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„Ich zeichne mit meinem Helden eine Generation, die in einem schwammigen, diffusen Zustand lebt“, sagt Hochhäusler über Falscher Bekenner. Sein Held, der 18-jährige Armin, logiert wohlversorgt im banal-spießigen Eigenheim der Eltern, die nur sein Bestes wollen, aber nichts von dem wahrnehmen, was in ihm vorgeht. Er hat die Realschule beendet, absolviert gelangweilt Bewerbungsgespräche, flüchtet sich in ein abenteuerliches imaginäres Universum, das mit der Realität unmerklich verschwimmt. Er bewegt sich misslaunig und wortkarg durch ein deutsches Stadtrand-Niemandsland der Eigenheim-Ödnis und der anonymen Autobahnauffahrten, macht linkische Versuche, ein hübsches Mädchen für sich zu gewinnen, verfasst anonyme Schreiben an die Polizei, in denen er sich als Brandstifter und Saboteur bekennt, ohne es zu sein, und träumt von homoerotischen Eskapaden mit einer Gang von Motorradfahrern, die in ihren Lederkluften und Helmen wie Aliens erscheinen.
Eine gespenstische Einsamkeit umfängt Armin. Niemand interessiert sich für seine Empfindungen, seine innersten Strebungen, seine Person, sein Selbstwertgefühl, und ausgerechnet bei den Bewerbungsgesprächen (die hübsch karikaturistisch gezeichnet werden) soll er genau davon protokollarisch Rechenschaft geben. Er scheint gebannt in eine bös-verwunschene, verkehrte Welt, und Hochhäusler findet dafür bezwingend genaue Bilder, die den Spuk auch für den Zuschauer – parallel zur Wahrnehmung des Helden – in eine verwirrende Schwebe der Realitäts-Bezweiflung heben. 