Planet Terror

Robert Rodriguez’ Beitrag zum „Grindhouse“-Kino

von Barbara Schweizerhof


© Fotos: Senator

Mit Rose McGowan, die als Beinprothese ein Maschinengewehr trägt, hat Robert Rodriguez eine Leinwandikone geschaffen. Die Szenen, in der diese Frau in Lederminirock und Brustcorsage sich wie beim Go-Go-Dance auf der Erde oder noch besser auf dem Hintersitz eines Motorrads räkelt, um dann mit erhobenem Bein aber tatsächlich eine Salve nach der anderen auf die „Voyeure“ abzufeuern, sind nicht umsonst zur Hauptreklame des Projekts „Grindhouse“ geworden, mit dem Rodriguez und Quentin Tarantino dem Schmuddelkino-Erlebnis der frühen Siebziger Reverenz erweisen. Sie enthalten für sich schon, wie man heute so sagt, „das ganze Paket“: eine steile Kombination von Sex und Gewalt in schamlos-unverhüllter Form. Diese Szenen sind damit auch zum Versprechen geworden, das sowohl Rodriguez’ Planet Terror als auch Tarantinos Death Proof erst noch einlösen müssen.

In der festen Verbindung zum Doublefeature sind die beiden Filme an den amerikanischen Kinokassen gefloppt. Was vielleicht mit diesem „umwerfenden“ Auftritt von Rose McGowan als „Cherry Darling“ zu tun hat: Wer den Trailer oder auch nur das Plakat gesehen hat, kann gar nicht anders, als darauf warten, dass Cherry endlich das Bein verliert. Das passiert erst in der zweiten Hälfte von Planet Terror, und wie das bei Höhepunkten so ist, breitet sich danach Erschöpfung im Zuschauer aus. Kein Wunder also, dass viele Kinogänger in den USA, wo auf Planet Terror Tarantinos Death Proof folgte, das Kino verließen und dem zweiten Film keine Chance mehr gaben.

Für Robert Rodriguez, dessen Planet Terror nun zwei Monate nach Death Proof als Einzelfilm in die Kinos kommt, muss das in etwa wie der zwiespältige Triumph eines kleinen Bruders sein, der seinem großen Vorbild immer nacheiferte und nun dessen Neid fürchtet. Zusammen haben er und Tarantino die Liebe zu schlechten Filmen als neue Form der Cinephilie propagiert, aber nur an Rodriguez war der Ruf haften geblieben, selbst schlechte Filme zu machen.

Von El Mariachi, seinem legendären Low-Budget-Erstling, bis zu Faculty und Spy Kids zeigte sich immer wieder sein Talent für energiegeladene Action bei gleichzeitigem Desinteresse an Inhalten jeder Art. Für das Projekt „Grindhouse“ war das nun endlich die beste Voraussetzung. Denn wo Tarantino mit Death Proof noch Originalität beweisen will, ist Planet Terror eine so wilde Mischung aus Genreversatzstücken, dass man schon vor dem Mut zur Collage in die Knie geht. Planet Terror beginnt wie ein Katastrophenfilm, wechselt ins Partisanengenre, macht Ausflüge in den Film noir, den Italo-Western und den Billigkrimi, bis schließlich alles im Zombiemovie kulminiert.

 

Es gibt im ganzen Film keinen Erzählstrang, den man nicht aus anderer Quelle schon kennen würde. Die Handlung bleibt trotz all ihrer aberwitzigen Wendungen zweitrangig: Ein Virus, der Menschen in bissige Untote verwandelt, macht die Runde. In einem abgelegenen Diner versammeln sich versprengte Figuren und organisieren den Widerstand. Die Zombieszenen sind von gebotener Hässlichkeit. Das Schöne an dem Ensemble der Hauptfiguren ist ihre disparate Herkunft aus den diversen Genres und die sarkastischen Sprüche, mit denen sie sich gegenseitig traktieren. Und wie gesagt: spätestens wenn Cherry dann endlich mit der Gewehrprothese die erste Salve abgibt, ist man als Zuschauer endgültig für den Genuss von schlechten Filmen erobert.   

Rodriguez zeigt in seiner Hommage an die grellen B-Movies der Grindhouse-Ära den Mut zur schamlosen Kopie. Aus der kühnen Kombination von Horrorfilm und Italowestern, von Film-noir-Motiven und Katastrophengenre ergibt sich eine ironische Parodie auf schlechte Filme, die gerade deshalb besticht, weil sie selbst nichts Besseres sein will.

Grindhouse – Planet Terror
USA 2007. R, B, K: Robert Rodriguez. P: Robert Rodriguez, Quentin Tarantino, Elizabeth Avellan. Sch: Ethan Maniquis, Robert Rodriguez. M: Graeme Revell, Robert Rodriguez. T: Ethan Andrus, John Pritchett. A: Steve Joyner, Caylah Eddleblute. Ko: Nina Proctor. Sp: Ryan Tudhope. Pg: Dimension/Troublemaker Studios/Rodriguez/Tarantino double feature. V: Senator. L: 105 Min. FSK: K.J., ff. Da: Rose McGowan (Cherry), Freddy Rodriguez (Wray), Josh Brolin (Block), Marley Shelton (Dakota), Michael Biehn (Hague), Jeff Fahey (JT), Bruce Willis (Muldoon), Naveen Andrews (Abby).

epd Film 10/2007



2.10. (D), 5.10. (A)


 


 


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