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Die Fremde in Dir Jodie Foster übt Selbstjustiz in einem Thriller von Neil Jordan von Rainer Gansera
Die gute Nachricht zuerst: Jodie Foster ist wunderbar. Sie fasziniert. Sie bringt außergewöhnliche Intensität und elektrisierende Energie auf die Leinwand: den Kontrast von fragiler Kontur und physischer Härte, von Intelligenz und Empfindsamkeit, von stahlblauem, eiskaltem Blick und seelischer Zerrissenheit. Auch mit 45 ist sie – die 1976 berühmt wurde, als sie in Martin Scorseses Taxi Driver die vierzehnjährige Prostituierte spielte, und die als FBI-Agentin und Hannibal Lecters Gegenspielerin in dem Horrorthriller Das Schweigen der Lämmer (1990) unvergesslich bleibt – noch immer das jungenhafte Mädchen, an dem Frauenkleider wie eine Verkleidung befremden. Wenn sie Lippenstift aufträgt, erscheint das wie Kriegsbemalung. Ihr Eros flackert androgyn. All dies kommt in Die Fremde in Dir bestens zur Geltung, und deshalb ist der Film als Jodie-Foster-Performance eine spannende Sache.
Als sie eines Tages mit ihrem Verlobten im Central Park spazieren geht, stellen sich den beiden drei Hooligans in den Weg und prügeln los. Der Verlobte stirbt, Erica wacht erst nach Wochen aus dem Koma auf, und während ihre äußeren Wunden allmählich verheilen, reißen die seelischen erst richtig auf. Die ersten Schritte von Ericas Verwandlung erscheinen noch glaubwürdig: wenn ihr die vormals vertrauten Straßen nun befremdlich-alptraumhaft erscheinen. Dann aber mutiert sie zum Racheengel, zur Killerin; sie beschafft sich eine Pistole, tötet anfangs noch aus Notwehr – da sind es marodierende Jugendliche in der U-Bahn –, findet schließlich aber regelrecht Gefallen daran, die Stadt von Bösewichtern zu säubern. Die Erinnerung an den „dunklen Racheengel“ Travis Bickle aus Taxi Driver drängt sich auf und macht zugleich klar, dass dort, wo Scorseses Held bezwingend folgerichtig in die seelische Hölle aus Einsamkeit und Rächer-Ritter-Fantasma stürzte, hier die Heldin zwischen dem Erschrecken über ihre Taten und deren Rechtfertigung banal hin und her stolpert.
Neil Jordans neuer Film ist leider nicht viel mehr als ein konventioneller Selbstjustiz-Thriller, der sich zwar den Anschein von Raffinesse gibt, aber doch nur die fragwürdigsten Klischees des Genres bedient. Großartig ist allerdings Jodie Foster, die auch hier ihren androgynen erotischen Appeal ausspielen kann. The Brave One Start: 27.9. (D, CH), 28.9. (A) epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Die schlechte Nachricht lautet: die Story taugt nicht viel. Sie bläht sich sophisticated auf und bedient dann doch nur banale, zwielichtige Klischees des Selbstjustiz-Thriller-Genres. Jodie Foster spielt eine Radiomoderatorin namens Erica Bain, die die Straßen New Yorks flanierend durchstreift und in ihrer Radio-Show „Street Walk“ ein nostalgisches Loblied auf die Stadt singt, bis ein brutaler Gewaltakt ihr Lebensglück und ihr urbanes Urvertrauen zerstört.
Regisseur Neil Jordan, der mit Filmen wie Mona Lisa und Die Zeit der Wölfe das britische Filmwunder der achtziger Jahre mit eingeleitet hatte, und der danach immerhin das subtile Transvestiten-Drama The Crying Game (1993) und den hübschen Blockbuster-Horror Interview mit einem Vampir (1994) in Szene setzten konnte, bleibt hier, bei diesem doch sehr amerikanischen Stoff, in einer sich prätentiös gebärdenden Plakativität hängen. Jordan will beweisen, dass auch in einer feinsinnigen Seele so etwas wie ein Killerinstinkt lauert, und gewährt ihm – unter dem Deckmantel des Rachfeldzugs gegen allerlei Widerlinge – freien Auslauf. 