Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme

Adam Sandler bereut seine Schwulenwitze in einer Komödie von Dennis Dugan

von Andreas Busche


© Fotos: Universal

Schwulenkomödien sind die modernen Minstrel-Shows der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Wie in dieser nicht nur latent diskriminierenden historischen Form des Varietés, in der weiße Entertainer mit schwarzem Make-up auftraten, geht es im zeitgenössischen Film um die Präsentation einer als „anders“ markierten Gruppe durch den Mainstream. Und der paternalistische Gestus, der diese Produktionen durchzieht, lässt allemal genug Raum für eine Vielzahl an diffamierenden Stereotypen und Ressentiments. Dass die Lacher ausschließlich auf Kosten von Minderheiten gehen, legt letztlich den reaktionären Kern der Filme offen. Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme, die neueste Produktion aus dem Stall Adam Sandlers, betritt insofern neues Terrain, als sie die Schizophrenie innerhalb der Unterhaltungsindustrie in ungeahnte Höhen treibt. Gleichzeitig führt der Film demonstrativ die innere Wandlung Sandlers vor, dessen Humor-Repertoire zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus Schwulenwitzen besteht. Hier tritt er am Ende aus seiner Figur heraus und appelliert an sein Publikum, nie wieder das Wort „Schwuchtel“ zu verwenden: „Ich habe es in der Vergangenheit selbst oft genug benutzt.“ Bis dahin ist es jedoch ein langer Erkenntnisprozess, mitunter auch ein ermüdender für den Zuschauer.

Sandler und Kevin James spielen unter der Regie des Fernsehregisseurs Dennis Dugan die Feuerwehr-Buddies Chuck und Larry. Chuck ist eine männliche Hure, einer, der es gleichzeitig mit asiatischen Zwillingen, der weiblichen Belegschaft eines einschlägigen Lokals und einer flotten Oberärztin treibt. Larry ist ein Vater zweier Kinder, der den Tod seiner Frau nicht überwunden hat. Schlimmer noch: Er hat auch versäumt, seine Lebensversicherung auf die Kinder umzuschreiben. Eine schnelle Lösung verspricht die in New York legalisierte domestic partnership – ein eheähnlicher Verbund gleichgeschlechtlicher Paare. Und schnell muss es gehen, denn in Larrys Job könnte jeder Tag sein letzter sein. Dummerweise schuldet Chuck Larry noch einen Gefallen. Es gelingt den beiden jedoch nicht, ihre Abmachung lange geheim zu halten.

Verblüffend an Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme ist, mit welcher Konsequenz Sandler und sein Autorenteam (zu dem immerhin Alexander Payne, Autor und Regisseur von Citizen Ruth, Election und About Schmidt, gehört) schwule Stereotypen niederreißen, um sie hinterrücks wieder aufzubauen. Oder verhält es sich doch gerade umgekehrt? Als Beitrag für mehr Toleranz und Verständigung jedenfalls ist Chuck und Larry eine regelrechte Sisyphos-Arbeit. Doch die Masche hat durchaus Konzept, bis hin zum großen Gerichtsfinale, in dem Sandler sich schließlich zum schwulen Fürsprecher aufschwingt.

Chuck und Larry hat trotz seiner hohen Dichte an sexistischen Stereotypen seine gelegentlich auch komischen Momente, sondern weil es ihm gelingt, jedes noch so abgegriffene Klischee bis an die Grenze zur Absurdität auszureizen. Der Film wird niemanden zu mehr Toleranz bekehren – so wenig wie Brokeback Mountain übrigens. Aber in seiner Schizophrenie führt er einige interessante innere Monologe, die bei Ang Lee unter Tränen erstickt wurden. 

Adam Sandler als neue Ikone der Schwulenbewegung? Die Komödie um zwei heterosexuelle Freunde, die eine schwule „Scheinehe“ eingehen, lebt von den üblichen Sandler-Exzessen; das Plädoyer für mehr Toleranz kommt frei Haus.

I Now Pronounce You Chuck and Larry
USA 2007. R: Dennis Dugan. B: Barry Fanaro, Alexander Payne, Jim Taylor. P: Adam Sandler, Jack Giarraputo, Tom Shadyac, Michael Bostick, James D. Brubaker. K: Dean Semler. Sch: Jeff Gourson. M: Rupert Gregson-Williams. T: Thomas Causey. A: Perry Andelin Blake. Ko: Ellen Lutter. Sp: Allen L. Hall. Pg: Universal. V: UIP. L: 115 Min. FSK: 12, ff. FBW: wertvoll. Da: Adam Sandler (Chuck Levine), Kevin James (Larry Valentine), Jessica Biel (Alex McDonough), Dan Aykroyd (Captain Tucker), Ving Rhames (Duncan), Steve Buscemi (Clint Fitzer), Nicholas Turturro (Renaldo Pinera), Allen Covert (Steve).

epd Film 10/2007



Start: 27.9. (D), 28.9. (A) 18.10 (CH)


 


 


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