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Legal vs. illegal Im Praxistest: Portale zum Downloaden im Netz von Karsten Kastelan
Seit einigen Jahren kämpft die Filmindustrie gegen die Filmpiraterie und mit besonderer Intensität gegen die im Netz. Solange der Film noch nicht auf DVD vorliegt, hat die Wirtschaft hierzulande noch einige Vorteile auf ihrer Seite: Die Qualität von abgefilmten Kinofilmen ist schlecht, der deutsche Ton nicht leicht zu finden, die Hemmschwelle hoch. Doch sobald eine DVD kopiert – „gerippt“ – werden kann, wendet sich das Blatt. Und noch immer sind die legalen Downloadplattformen zu teuer und schwer zu bedienen – wie unser Autor Karsten Kastelan im Selbstversuch festgestellt hat. Die Filmindustrie lässt uns nur zu gerne wissen, dass es sich bei Raubkopierern um gemeine Verbrecher handelt – und sie gibt Millionensummen aus, um uns das mit Hilfe von wenig subtilen Werbekampagnen einzubläuen. Fragt man allerdings nach einer legalen Alternative, um Filme aus dem Internet herunterladen zu können, kommen selbst die Vertreter der Antipiraterie-Bewegung ins Stottern. Das neue Portal der Warner, in2movie.de, wird genannt. Man meint sich zu erinnern, dass T-Online da mal etwas im Angebot hatte. Und irgendwo im Hinterkopf schwebt der Werbeslogan für ein Portal von Pro7 namens Maxdome herum. Fast könnte man auf die Idee kommen, die fehlenden technischen Möglichkeiten seien schuld daran, dass wir auch heute noch eine Videothek besuchen müssen, um uns einen im Kino verpassten Film auszuleihen – und ihn dann auch wieder bald zurückbringen, damit der nächste Kunde nicht vor leeren Regalen steht. Ein Blick über den Tellerrand des legal Möglichen – beispielsweise zu erhaschen, wenn man über die Schulter eines computerbegeisterten Teenagers schaut, der gerade seine Downloads bearbeitet – lässt da ganz andere Möglichkeiten erahnen.
Das Downloaden von diesen Seiten ist illegal. Die Chance, dabei erwischt zu werden, mag klein erscheinen, ist aber vorhanden – ebenso wie die Bereitschaft vieler Nutzer, einen Obolus für ihr privates Heimkinoprogramm zu entrichten. Dass einem das allerdings nicht leicht gemacht wird, deutet sich allein beim Besuch von in2movies.de an. Nach Eingabe der Adressdaten muss man eine spezielle Software herunterladen, die sich dann auch prompt ins Startmenü integriert – und so das Hochfahren des Computers jedes Mal um ein paar Sekunden verlangsamt. Der große Schrecken kommt beim genaueren Studieren des Angebots: Von den knapp 700 Filmen aus dem Warner-Programm bei in2movies.de ist nur die B-Ware als Leihtitel erhältlich (ab 2,99 Euro für 24 Stunden). Neuere oder attraktivere Filme gibt es nur in der Kaufversion – für Preise, die mit 12,99 oder 14,99 Euro oft über dem Ladenpreis liegen. Und das, obwohl man für seine Mühen und Kosten bloß eine Zwei-Gigabyte-Datei (Testfilm: The Departed) erhält, die man nur auf dem Computer anschauen kann – und die in Bild und Ton klar unter der Qualität einer guten Raubkopie liegt, die immerhin 4,5 Gigabyte beansprucht und problemlos im DVD-Player läuft. Witzigerweise bedient sich in2Movies.de der sogenannten P2P-Technologie, die ihren Ursprung bei illegalen Programmen wie Bittorrent hat, was die Ladegeschwindigkeit verbessert, aber auch dazu führt, dass man auch nach dem Download noch andere Kunden ‚mitfüttert‘ – zu Lasten der eigenen Bandbreite und natürlich auf eigene Kosten. Der Cineast ist durchaus bereit zu zahlen Nach so viel Frust möchte man sich schon gar nicht mehr Maxdome zuwenden, wo ein mäßiges Angebot aus Pro7-produzierten Titeln und nicht mehr blutjungen Filmen durch ein paar neue Titel supplementiert wird. Laden kann man hier als Abonnent (9,99 bis 19,99) oder Einzelkunde – zahlen kann man allerdings nur mit Lastschrift, was dazu führte, das der Test dieses Portals frühzeitig beendet wurde. Eine Bild- und Tonqualität, die der einer DVD entspricht, war allerdings auch hier nicht zu erwarten. Schlechte Leistung zu hohen Preisen Testsieger ist also der illegale Download – und das in allen Punkten. Und es bleibt nur noch die Frage, warum die Architekten der illegalen Download-Seiten und -Programme – immerhin ein unorganisierter Haufen von Hobbyisten – es fertiggebracht haben, die großen Anbieter in Sachen Bedienkomfort, Qualität und Nutzerfreundlichkeit zu schlagen. Der Grund liegt, leider, auf der Hand: solange die Angst vor der Weiterverbreitung legal erworbener Online-Kopien existiert, wird kein attraktives legales Online-Angebot zustande kommen und man wird weiterhin mit Lizenzen, neu zu installierenden Programmen und einem ausgegrenzten heimischen DVD-Player zu tun haben. Dass der Kopierschutz einer in der Videothek ausgeliehenen DVD so leicht zu knacken ist, dass ein gut trainierter Schimpanse dazu in der Lage wäre, fällt beim Entscheidungsprozess der Verleiher offensichtlich nicht ins Gewicht. Ebenso wenig die Tatsache, dass ein Nutzer, der sich Filme gegen Entgelt aus dem Netz lädt, kaum auf die Idee kommen würde, sie umsonst in eine digitale Tauschbörse zu stellen. Vielleicht sollte die Filmindustrie den Worten von Apple-Gründer Steve Jobs lauschen, der die verängstigte Musikindustrie mit der Gründung des iTunes-Portals fast eigenhändig vor sich selbst rettete und vor einem halben Jahr ein Ende des Kopierschutzes im Musikbereich forderte. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Branchenriesen EMI und Universal Music Group verkaufen ihre Waren inzwischen auch online ohne hinderlichen Anti-Kopier-Schnickschnack; selbst Sony begrub kürzlich sein eigenes, selbst entwickeltes DRM-Musikformat und wandte sich dem anwenderfreundlichen Marktführer MP3 zu. Ähnliches wäre auch im Filmbereich denkbar, denn solange das illegale Produkt besser erhältlich, leichter zu nutzen und qualitativ höherwertig ist als das legale, bleibt nur noch eine Alternative im Krieg gegen die Piraterie: das Hissen der weißen Fahne. epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Kleine Programme wie der beliebte Bittorrent machen das Internet zur Spielwiese für hungrige Cineasten und Fans von neuen, hier zum Teil nicht ausgestrahlten Fernsehserien. Ein Klick – schon landet eine komplette DVD in der Ladeschleife des Computers und kann bei DSL6000 nach weniger als drei Stunden auf dem Fernseher angeschaut werden. Ähnlich ist es mit dem kompletten Serienprogramm der amerikanischen und britischen Sender – nur dauert es hier gerade einmal 20 Minuten, bis das Logo von „24“ oder „Lost“ (dank DIVX-Player) auf der Mattscheibe erscheint. Auch die Webseiten, von denen geladen wird, haben längst nicht mehr den chaotischen Schmuddelcharakter vergangener Zeiten: Sie sind übersichtlicher geworden, bieten Nutzerbewertungen des Angebots; selbst die zweideutigen Angebote von vollbusigen Mädchen, angeblich aus dem Nachbarort, sind dezent an den Rand des Bildschirms verfrachtet worden.
T-Online, immerhin Vorreiter des legalen Film-Download-Angebots, lässt die Nachteile von in2movies jedoch nur allzu schnell in den Hintergrund treten. Wenn man das Angebot überhaupt gefunden hat (es ist ein kleiner Link namens „Video“ unter „Themen“ auf der Hauptseite), braucht man erst einmal eine ganze Weile, um herauszufinden, dass das Leihprogramm des Portals nur Kunden von T-Online offensteht; Abtrünnige müssen hier zwangsläufig die Erwerbslizenz kaufen – nachdem sie eine langwierige Registrierung durchgemacht haben. Dafür sollen sie angeblich die Möglichkeit erhalten, den Film auf eine DVD zu brennen, die auch der heimische Player abspielt, was im Test aber selbst nach mehreren Versuchen (unter anderem mit dem T-Online-Browser) missslang. Dafür wird man aber davon ausgehen können, dass zumindest die Abbuchung der 6,99 Euro (einer der günstigeren Titel; das Preisniveau liegt ähnlich hoch wie bei in2movies.de) über die Telefonrechnung problemlos funktionieren wird. Auch das einzige Resultat des Tests (The Insider) im SP-Modus, angeblich „etwa mit einer DVD zu vergleichen“, kann qualitativ nicht mit der Raubkopie mithalten. 