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28 Weeks Later Die Fortsetzung von Danny Boyles Zombiefilm von Birgit Glombitza
Mutter hat überlebt. Monatelang hat sie in der kalten Architektur eines evakuierten London ausgeharrt. Zwischen Horden tollwütiger, schließlich verhungernder Untoter hat die – von Rose Byrne gespielte – Frau auf wundersame Weise durchgehalten, wurde gebissen, „infiziert“ und zeigte doch dank eigener Antikörper keine Symptome pathologischer Barbarei. Der mütterliche Leib als ein sich selbst und die Welt heilender Organismus, als einzige Option auf ein Leben mit und nach der Katastrophe – das hätte eine prächtig verklärte Variante vom weiblichen Fruchtbarkeitstopos abgegeben. Doch das Muttertier hier dampft nicht vor Fürsorge, sondern vor Rachelust. Die gilt dem Ehemann (Robert Carlyle), der sie 28 Wochen zuvor in einem von Zombies gestürmten Haus zurückgelassen hat.
28 Weeks Later knüpft nicht an die Fluchtbewegungen des Fahrradkuriers an, der sich in Danny Boyles Genrebearbeitung nach wochenlangem Koma in einer sich selbst fressenden Restzivilisation behaupten muss. Der Nachfolger erzählt seine eigene Vater-Mutter-Kinder-Geschichte. Und eine Weile tut der Film sogar so, als würde er dabei die Karten zwischen den Lebenden und den Untoten neu mischen. Etwa, wenn das mütterliche Immunsystem zum Hoffnungsträger wird. Und unklar ist, ob der kleine Sohn nicht genetisch mit der gleichen Gesundheit gesegnet ist. Die Idee einer wie auch immer gearteten Koexistenz würde Romeros Urvision, in der die Zombies immer als Teil des gesellschaftlichen Systems, als Wir und nicht als das Andere vorgestellt wurden, noch einmal anders ins Spiel bringen. Doch Drehbuch und Regie (Juan Carlos Fresnadillo) zeigen wenig Ambition, irgendetwas einmal mit Hingabe zu Ende zu spinnen.
Viele angefangene, abgebrochene Geschichten machen aus 28 Weeks Later ein wenig inspiriertes Bündel aus Versatzstücken und erzählerischen Reflexen. Entscheiden kann sich der Film eigentlich nur für eine lärmende Tonspur, die zerschossene Zombies so sachlich wie zerplatzende Tetrapaks klingen lässt. Und für eine Ästhetik, die nach Kräften die nervösen, engen Einstellungen des Vorgängers nachahmt. Mit fast schon irritierender Sinnlichkeit wird hier zerfetzt und zerstückelt. War es Danny Boyle – der hier mit Alex Garland als ausführender Produzent auftaucht – in 28 Days Later noch gelungen, Romeros Zombies würdevoll in der Gegenwart ankommen zu lassen, zeigt sich Juan Carlos Fresnadillo mit diesem Erbe über weite Strecken überfordert. Nach einem vielversprechenden, wunderbar ambivalenten Anfang verzettelt sich das Sequel von 28 Days Later in blutiger Beliebigkeit. Der Film schwankt unentschlossen zwischen Erlösermythen, pubertärer Untergangslust und mittelalterlichem Kriegsgetümmel. 28 Weeks Later Start: 30.8. (D, CH) epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Der feige Vater, der die Mutter im Stich lässt und dafür mit einem verseuchten Kuss von der wiedergefundenen Gattin gestraft wird: Das eröffnet eine Sündengeschichte von fast schon biblischer Wucht. Doch nur für wenige Momente. Dann drückt der Mann seiner Frau lange und lustvoll die Augen aus dem Kopf. Und das war’s auch schon mit der wohl interessantesten Idee dieses 28 Days Later-Sequels, das bereits im Titel 28 Weeks Later manches in die Länge zieht, was von den Vorgängern und Vorbildern erschöpfend durchexerziert worden war.
Auch um die Zombiewelt, entsprechend der Perspektive der heranwachsenden Geschwister Tammy und Andy, in eine pubertäre Apokalyptik übergehen zu lassen, fehlt es an Konsequenz. Dabei zählt der Eindruck, bereits mitten im Desaster zu leben, unter kaum lebendigen Eltern seit je zur Motivgeschichte der Jugendkultur. Zu den untoten Eltern tritt eine Besatzungsmacht, die US-Armee, in deren nervöser Ballerei auf zerfleddernde Untote man die Traumatisierung durch islamistische Selbstmordattentäter erkennen mag. 