Vor Kapitän Ahab: Kobayashis „The Rebirth“ gewann den Goldenen Leoparden beim 60. Festival von Locarno
Die 60. Filmfestspiele von Locarno sind am 11. August auf der Piazza Grande zu Ende gegangen. Die Jury, darunter die Schauspielerin Irène Jacob, die chinesische Regisseurin Jia Zhang-ke und der deutsche Filmemacher Romuald Karmakar, haben aus 19 Wettbewerbsbeiträgen den Japaner Masahiro Kobayashi ausgewählt und seinen Film „Ai no yokan (The Rebirth)“ mit dem Goldenen Leoparden 2007 ausgezeichnet. Der „ästhetisch kraftvollste und originellste“ Film des Festivals erzählt mit nur wenig Dialog die Liebesgeschichte zwischen der Mutter einer Mörderin und dem Vater des Opfers, den Kobayashi selbst verkörpert. Der 1954 in Tokyo geborene Regisseur war Folk-Sänger und Drehbuchautor, bevor er 1996 seinen ersten Film „Closing Time“ drehte. Sein Film „Bashing“ von 2005 war für die Goldene Palme nominiert und erhielt den Großen Preis auf dem Tokyo Filmex. „Ai no yokan“ ist sein achter Film. Der Spezialpreis der Jury (Silbernen Leopard) ging an „Memories“, drei Kurzfilme des Regie-Ensembles Pedro Costa, Harun Farocki und Eugène Green, die im Rahmen des koreanischen „Jeonju Digital Project 2007“ entstanden sind. „Correspondences“ von Eugène Green ist ein Film über den 17-Jährigen Virgile, der via E-Mail mit dem gleichaltrigen Mädchen Blanche über die Fragen des Lebens diskutiert. Harun Farockis „Respite“ ist ein mit authentischem Filmmaterial aus dem Dritten Reich und kommentierenden Untertiteln des Regisseurs arbeitender Stummfilm über die Schrecken der Konzentrationslager. Pedro Costa schließlich schildert in seiner Dokumentation „The Rabbit Hunters“ das Leben der armen portugiesischen Bevölkerung in den Randgebieten von Lissabon. Der Preis für die beste Regie und die Auszeichnung der internationalen Filmkritiker FIPRESCI ging an den Franzosen Philippe Ramos für seine Neuinterpretation des Melville-Stoffes „Capitaine Achab“ (Foto). In der Kategorie „Filmmakers of the Present“, in der Innovation gewürdigt werden soll, wurde Benedek Fliegaufs metaphysisch-meditatives Ambient-Movie „Tejút (Milky Way)“ ausgezeichnet. Zu den weiteren verliehenen Auszeichnungen gehörte der „Excellence Award“ für Carmen Maura und Michel Piccoli für ihr Lebenswerk – letzterer gewann zusätzlich den Preis in der Kategorie „Bester Schauspieler“ für seine Darstellung eines einsamen Mannes in der französischen Produktion „Sous les toits de Paris“ –, der Preis für die beste Schauspielerin“ ging an Michele Venitucci für ihre Rolle in „Fuori dalle corde“; den Publikumspreis erhielt „Sterben für Anfänger (Death at a Funeral)“ von Frank Oz, Alexandra Westmeier wurde für „Allein in vier Wänden“ mit dem „Critics’ Week Award“ geehrt und der Preis der Jugendjury ging unter anderem an Sir Anthony Hopkins Film „Slipstream“, für den er auch das Drehbuch schrieb. DA epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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