von Anke Sterneborg
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© Fotos: Stardust |
Im Kino fangen die Probleme immer mit den Umwegen an, wenn sich die Helden also vom geraden Weg entfernen, sich auf kleinen Nebenwegen in die Büsche schlagen, aus Neugier, weil sie eine Panne haben, weil sie eine Abkürzung erhoffen. So brachten sich die Kids in Texas Chainsaw Massacre in lebensbedrohliche Situationen, die Familie in The Hills Have Eyes, das Paar im ebenfalls gerade gestarteten Motel, und auch wenn es in Fata Morgana keine blutrünstigen Monstren gibt, beginnen so doch auch die Probleme für Daniel und Laura, die sich nach dem Staatsexamen mit einer Marokko-Reise belohnen. Sie haben sich einen Geländewagen gemietet, um die Wüste zu erkunden, und fahren los, an der letzten Zapfstelle vor der großen Weite bietet ihnen ein irgendwie schmierig wirkender Typ an, sie durch die Wüste zu führen, was Daniel kühl abwehrt „Wir kommen zurecht...“ Von diesem Moment an liegt eine diffuse Gefahr in der Luft, ohne dass klar wäre, ob sie eher von diesem Mann ausgeht oder von einer feindlichen Natur.
Die beiden fahren los, genießen den Tag und die Weite der Wüste, die bei minimalistischen Mitteln eine spektakuläre Kulisse bietet für den Debütfilm von Simon Groß. „Es wird spät, wir sollten gehen“, meint Daniel, die beiden packen ihre Sachen, auf der Fahrt fragt Laura dann herausfordernd: „Das war jetzt also dein großes Abenteuer?“ Worauf Daniel kurzerhand fragt: „Rechts oder links?“, und in die angegebene Richtung steuert. Mit dieser Entscheidung nimmt ein rätselhafter Wüstenthriller seinen Lauf, der in der Weite des Wüstensandes auf paradoxe Weise die Qualitäten eines Kammerspiels annimmt. Es wird später und später; als die beiden abfahren wollen, springt ihr Jeep nicht mehr an, sie laufen los, finden die Piste nicht, es wird dunkel, sie beschließen im Auto zu schlafen, und unter dem Druck von außen beginnt es in ihrer noch jungen Beziehung zunehmend zu kriseln.
Als die Verzweiflung schon tief eingesickert ist, taucht unvermittelt aus dem Nichts der Fremde von der Tankstelle auf, Jean-Hugues Anglade spielt ihn als rettenden Schutzengel, mit einem feindseligen Unterton. Statt sie auf kürzestem Wege zur Piste zurückzuführen, lockt er sie immer tiefer in die Wüste, und noch immer ist nicht klar, ob er ihr Freund oder ihr Feind ist, eine Frage, über die sich schweigend auch das junge Pärchen entzweit. Während in Motel von Nimrod Antal ein Paar, das kurz vor der Trennung steht, durch die gemeinsam erlittene Bedrohung zusammengeschweißt wird, wirkt die Gefahr von außen in Fata Morgana zersetzend auf die noch junge und unreife Liebe. Ohne dass ihre Lebensgeschichten genauer entfaltet werden, gelingt es Matthias Schweighöfer und Marie Zielke eine Vielfalt von Gefühlsnuancen anklingen zu lassen, und Jean-Hugues Anglade braucht ohnehin nicht viele Worte, um als sinistres Kraftfeld auszustrahlen. Er könnte alles sein, ein Kidnapper, der es auf Lösegeld der Eltern abgesehen hat, ein einsamer Wanderer, der mit naiv unschuldigen Wüstentouristen Katz und Maus spielt, ein Todesengel oder auch die titelgebende Fata Morgana. So ergeben sich aus der ganz einfachen Konstellation und einem ebenso grandiosen wie schlichten Schauplatz eine Fülle von Möglichkeiten, die im Kopf des Betrachters weiterwuchern.
Ein ebenso raffinierter wie schlichter Wüstenthriller, in dem sich ein junges Pärchen in der marokkanischen Wüste verirrt und auf einen geheimnisvollen Fremden stößt, von dem lange nicht klar ist, ob er ihr Verbündeter oder ihr Feind ist. Mit einfachsten Mitteln nutzt Simon Groß in seinem Spielfilmdebüt die grandiose Wüstenkulisse.
Deutschland 2007. R: Simon Groß. B: Nana Ekvtishmvili, Simon Groß, Stefan Stabenow. P: Fritjof Hohagen. K: Peter Steuger. Sch: Stefan Stabenow. T: Heiko Müller. A: Oliver Hoese. Pg: Enigma/ Odeon/Lunaris/BR. V: Stardust. L: 87 Min. FSK: 6, ff. DEA: Filmfest München. Da: Matthias Schweighöfer (Daniel), Marie Zielcke (Laura), Jean-Hugues Anglade (Nick).
epd Film 8/2007
Start: 16.8. (D)


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