Von charmant bis eiskalt - Zum Tod des Schauspielers Ulrich Mühe



von Rudolf Worschech

Ulrich Mühe
© Buena Vista

Hauptmann Wiesler wirkt auf den ersten Blick eiskalt, ein kühler, rücksichtsloser Vernehmungsbeamter der DDR-Staatssicherheit. Er erhält den Auftrag, einen Theaterregisseur und dessen Frau zu überwachen und geht als Profi der Bespitzelung an diese Aufgabe heran. Er taucht in „Das Leben der anderen“ ein – und wird durch die Berührung mit dieser anderen Welt auch in einen anderen Menschen verwandelt. Dieser Hauptmann Wiesler  in dem Drama „Das Leben der anderen“ (Foto) war 2006 die letzte große Kinorolle des Schauspielers Ulrich Mühe, der wie erst jetzt bekannt wurde, am vergangenen Sonntag in seinem Wohnort Walbeck in Sachsen-Anhalt gestorben ist. Ihm gelang in seiner Darstellung die Leistung, eine charakterliche Wandlung zu spielen, ohne allzu dick aufzutragen. Dafür hat Mühe dann auch den Europäischen wie den Deutschen Filmpreis „Lola“ erhalten.

Mühe war ein eher verhaltener Schauspieler, einer, der mehr mit Understatement denn mit der großen Geste arbeitet. International bekannt wurde der am 20. Juni 1953 im sächsischen Grimma geborene Mühe durch seine Verkörperung des Theodor Lohse in Berhard Wickis Joseph-Roth-Verfilmung „Das Spinnennetz“ (1989). Er spielt einen Mann ohne Gesinnung und Moral, der sich in den zwanziger Jahren den politischen Zeitläuften anpasst und später zum Faschisten wird. Mühe zeichnet diesen Lohse als ein blasses Nichts, als ein menschliches Chamäleon, bei dem sich Unterwürfigkeit und Mordlust paaren.

Mühe studierte ab 1975 an der Leipziger Theaterhochschule „Hans Otto“  und hatte 1979 am Städischen Theater von Chemnitz sein erstes Engagement. Seinen Durchbruch im Kino hatte er 1986 in Hermann Zschoches Hölderlin-Film „Hälfte des Lebens“. Er hat in Helmut Dietls  Satire „Schtonk!“ um die gefälschten Hitlertagebücher mitgewirkt und zweimal für Michael haneke gearbeitet: „Bennys Video“ (1992) und „Funny Games“ (1996). Im Fernsehen war er seit 1997 regelmäßig als Gerichtsmediziner Dr. Kolmar in der preisgekrönten Serie „Der letzte Zeuge“ zu sehen.

Auch privat reichten die Schatten der Staatssicherheit in das Leben des Schauspielers Mühe herein. Im letzten Jahr behauptete er, dass seine Exfrau Jenny Gröllmann, die er bei den Dreharbeiten zu „Hälfte des Lebens“ kennengelernt hatte, ihn bespitzelt habe. Zwar wurde die inzwischen verstorbene Gröllmann bei der Stasi geführt, eine Verpflichtungserkärung fand sich aber nie. Anfang diesen jahres unterschrieb Mühe eine Erklärung, sich nicht mehr zu IM-Tätigkeit von Gröllmann zu äußern.

epd Film 8/2007

 

Die meisten Rollen von Mühe im Kino waren ernst, und er statte sie mit der ihm eigenen Melancholie aus. Dass aber auch ein Komiker in ihm steckte, bewies er in Dani Levys Hitler-Satire „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ (2007). Da spielt er den jüdischen Schauspiellehrer Adolf Grünbaum, der aus dem KZ geholt wird, um Adolf Hitler in den letzten Tagen des „Dritten Reiches“ noch einmal in Höchstform zu bringen. Zu den stärksten Szenen des Films gehört, wie Mühe/Grünbaum den Führer im gelben Trainingsanzug Lockerungsübungen machen und schon mal wie einen Hund bellen lässt. 


 


 


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