Die Stimme Afrikas: Zum Tod des senegalesischen Autors und Regisseurs Ousmane Sembène
Zu Frauen hatte er immer ein ganz besonderes Verhältnis. „Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass sie heldenhafter sind als Männer, dass sie vieles einfach besser machen“, sagte Ousmane Sembéne einmal, der fast ausschließlich von Frauen erzogen wurde. Vielleicht sind sie deshalb so häufig die Heldinnen seiner Filme gewesen. In seinen Romanen wie in seinen insgesamt 13 Langfilmen hat Sembène immer versucht, zum afrikanischen Volk zu sprechen und dabei vor allem das Wesentliche herauszustellen. Die Frauen, ihre Stärken und Schicksale spielen in seinen Geschichten immer eine besondere Rolle. Der oft als Stimme Afrikas bezeichnete, 1923 geborene Senegalese hat ein abenteuerliches Leben hinter sich. Als Sohn eines in Dakar geborenen Fischers bekam Sembène die französische Staatsbürgerschaft in die Wiege gelegt. Nach der Trennung seiner Eltern wuchs er bei seiner Großmutter und später bei seinem Onkel auf. Die Schule in Dakar beendete er vorzeitig, nachdem er seinen Lehrer aufgrund rassistischer Äußerungen geohrfeigt hatte. Nach seinem Dienst in der französischen Armee arbeitete Sembène als Werftarbeiter. Er engagierte sich in der Gewerkschaft und trat der Kommunistischen Partei bei.
Sein letzter Film „Moolaadé – Bann der Hoffnung“ von 2004 hat die rituelle Beschneidung junger Mädchen zum Thema und gewann den „Certain Regard“-Preis in Cannes. Die Jury der Evangelischen Filmarbeit nominierte ihn zum Film des Monats Juni 2006. Am 9. Juni starb Ousmane Sembène nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren. YG epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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1956 veröffentlichte er seinen ersten Roman – „Le docker noir“ –, der von den Mühen der Gewerkschaftsarbeit handelt. Nach weiteren Büchern über die Missstände in der afrikanischen Gesellschaft begann er zunehmend, sich für die filmische Umsetzung seiner sozialkritischen Themen zu interessieren – überwiegend deshalb, um in seinem an Analphabetismus krankendem Land mehr Menschen zu erreichen. 1962 absolvierte er ein Studienjahr an der Filmhochschule Moskau. Mit „Borom Sarret“ produzierte er 1963 den ersten unabhängigen afrikanischen Film überhaupt.