Verkörperung des amerikanischen Ideals: Am 26. Mai wäre John Wayne 100 Jahre alt geworden
Ein 1,94 Meter-Hüne mit näselnder Stimme und einem katzenhaften, rollenden Gang: „Er war hässlich, stark und hatte Würde“, so wollte es John Wayne auf seinem eigenen Grabstein stehen haben. Und so verkörperte er die amerikanischen Werte von „dignity“ und „integrity“, die ihn immer noch zu einem Leitbild der Konservativen in den USA machen. Am 26. Mai wäre Marion Robert Morrison, so sein Geburtsname, 100 Jahre alt geworden. Kein Schauspieler hat so viele Hauptrollen gespielt wie John Wayne – 142 an der Zahl. Und kein Schauspieler hat wohl ein Genre mit einer Person so verschmelzen lassen wie es der „Duke“ – sein Spitzname, den er nach dem Namen seines Hundes erhielt - mit dem Western tat. Dabei kam Wayne nur durch Zufall zum Film. Howard Jones, sein Football-Coach an der University of Southern California, verschaffte seinen Studenten immer wieder Jobs in der Filmindustrie und so landete auch der „Duke“ im Sommer 1926 auf einem Filmset - von Regisseur John Ford. Doch erst mehr als eine Dekade später gelang John Wayne mit dem ebenfalls von Ford inszenierten Western „Stagecoach“ (1939) der Durchbruch. Diesem Regisseur, mit dem er lebenslang befreundet war, hat Wayne seine besten Filme zu verdanken. Gerade Fords Kavallerie-Filme verstehen sich als unverhohlene Nationalepen - aus der Sicht der Weißen. Und Wayne war ihr Zentrum. „Fort Apache“ (1948) dramatisiert das Geschehen am Little Big Horn, und in „Der Teufelshauptmann“ (1949) spielt Wayne einen kleinen Captain im Grenzland, der kurz vor der Pension steht. In „Rio Grande“ (1950) folgt sein Charakter einer Truppe marodierender Indianer nach Mexiko. Die Filme von Ford singen dabei allerdings nicht immer nur das Hohelied auf die berittenen Soldaten. In "Der Teufelshauptmann" geht es ebenso um das Altern wie um die Vergangenheit, die unwiederbringlich verloren ist. Bei den Dreharbeiten war Wayne mit 42 Jahren viel jünger als die Rolle, die er zu spielen hatte. Er meisterte die Anforderungen des Parts mit dem ihm eigenen Minimalismus. Die Filme von Wayne problematisieren fortwährend das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft. Seine Figuren kommen von draußen, und sie suchen wie zum Schutz die Weite des Landes. Wayne, der Republikaner und Freund des Präsidenten Ronald Reagan, galt auch abseits des Filmsets als die perfekte Verkörperung des Denkens in simplen Oppositionen, etwa von Recht und Ordnung. Elizabeth Taylor sagte kurz vor seinem Tod, John Wayne „gab der ganzen Welt ein Bild von dem, was ein Amerikaner sein soll.“ Vor allem die 68er-Studenten sahen das anders. Sie kritisierten den Anti-Kommunisten für seinen unverhohlene Zustimmung zum Vietnam-Krieg. Selbst in den Krieg zog Wayne nie. Eine Schulterverletzung aus der College-Football-Zeit war der Grund für seine Ausmusterung. Dafür gab er umso häufiger auf der Leinwand den Kriegshelden. Die Kriegsfilme mit John Wayne funktionieren wie Western und dienen der moralischen Zurichtung. Zwei Mal hat er sogar selbst Regie geführt. In dem Western "Alamo" (1960) pries er den Freiheitskampf der Texaner, die sich von Mexiko lösten, in "Die grünen Teufel" (1968) rechtfertigte er das amerikanische Engagement in Vietnam. Als bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert wurde, ließ er sich gegen den Rat seiner Ärzte und seines Managers aus dem Krankenhaus entlassen, gab am 29. Oktober 1964 auf seiner Ranch eine Pressekonferenz und sagte lapidar: „Ich habe das große C abgeschleckt.“ Doch auch mit der schweren Krankheit - ihm wurde ein Lungenflügel entfernt – arbeitete der „Duke“ weiter. Schmerzmittel lehnte Wayne noch auf dem Sterbebett ab, da er mit vollem Bewusstsein die letzten Stunden mit seinen Kindern und Enkeln erleben wollte. Schon 15 Jahre zuvor hatte er gesagt: „Der Mann dort oben wird den Stecker ziehen, wann er will, doch ich möchte nicht mein Leben als Kranker beenden.“ John Wayne starb am 11. Juni 1979. Henning Engelage
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