Goodbye Bafana

Nelson Mandela und sein weißer Wärter

© Fotos: X Verleih

Es ist schon fast ein Subgenre: der politisch korrekte (Süd-)Afrikafilm. Meistens dürfen sich europäische oder Hollywoodstars in gut gemeinten, aber selten überzeugenden Filmen dann als Helden versuchen. So wie Juliette Binoche und Samuel Jackson in John Boormans misslungenem Country of my Skull oder kürzlich Tim Robbins in Philip Noyces sehenswertem To Catch a Fire.

Fragwürdig ist nur, warum diese sich an ein westliches Bildungsbürgertum richtenden Produktionen es nie wagen, auf afrikanische Schauspieler oder Regisseure zu setzen. Und so ist die Besetzung von Goodbye Bafana schon der erste Stolperstein auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Film. Nelson Mandela wird von Dennis Haysbert gespielt; bekannt als President Palmer aus der Echtzeitserie „24“. Dort spielte er den fiktiven ersten schwarzen Präsidenten der USA als aufrechten Humanisten und klugen Politiker. Haysberts Mandela-Verkörperung wirkt wie eine Weiterführung der Palmer-Figur – nur mit Heiligenschein. Die Geschichte Mandelas und seines weißen Wärters Gregory, der sich vom Rassisten zum Freund des ANC-Führers wandelt, ist zu glatt, zu vorhersehbar und neigt dazu, Historie zu verklären und auf Einzelschicksale zu reduzieren. Ralph Fiennes als James Gregory und Diane Kruger als seine Ehefrau wirken eher wie überhöhte und klischeebeladene Gutmenschen und nie wie komplexe Charaktere mit Ecken und Kanten.

Über den Zeitraum von etwa 20 Jahren erzählt Bille August die Geschichte einer Annäherung zwischen Mandela und dem zunächst naiven James Gregory. Der weiße Wärter ist für Südafrikas Geheimpolizei deshalb besonders wertvoll, weil er als einziger Weißer im Gefängnis auf der Strafinsel Robben Island die Stammessprache Xhosa beherrscht. Die Rollen sind dabei klar verteilt. Mandela ist der ewig weise charismatische „leader“ und Gregory der ständig staunende, naive Weiße, der erst durch den späteren großen Staatsmann zu einem besseren Menschen werden darf. Das alles basiert auf dem autobiografischen Buch des 2003 verstorbenen James Gregory „Mandela, my prisoner, my friend“. Die Filmemacher verweisen dann gern auf die „wahre Geschichte“. Nur einer schweigt bisher und das ist Mandela selbst. So liegt die Vermutung nahe, dass sich Gregory seine Geschichte ein wenig schön geschrieben hat.

Die Aufgabe eines guten Filmemachers wäre es nun gewesen, eigene Recherchen anzustellen und mehr zu drehen als ein glorifizierendes Biopic im Hollywoodstil. Mandela hatte ja mit seinem ANC durchaus auch Gewalt befürwortet, und die Rolle seiner Ex-Frau Winnie, die Folterungen, eventuell auch Mord an „Verrätern“ tolerierte, ist mehr als zwiespältig. Bille August hat es leider vermieden, sich auch nur auf die kleinste Kontroverse oder Brüche in der Biografie Mandelas einzulassen. Es ist schon fast tragisch, dass der dänische Regisseur, der mit Pelle der Eroberer und Die besten Absichten zweimal die Goldene Palme in Cannes gewann, seit Jahren im Mittelmaß versinkt. Und so ist Goodbye Bafana nicht mehr als weichgespültes, politisch überkorrektes Kino, garantiert ohne tiefere Nachwirkung.    

Jörg Taszman

Gut gemeint, aber nicht optimal besetzt erzählt Bille August die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Nelson Mandela und seinem weißen Gefängniswärter James Gregory. Auf der sentimentalen Ebene bisweilen unterhaltsam, insgesamt aber zu oberflächlich und harmoniebeflissen.

Goodbye Bafana
D/BE/F/ZA/I/UK 2007. R: Bille August. B: Greg Latter, Bille August. P: Jean-Luc van Damme, Ilann Girard, Andro Steinborn. K: Robert Fraisse. Sch: Hervé Schneid. M: Dario Marianelli, Johnny Clegg. T: Dirk Bombey. A: Tom Hannam. Ko: Diaba Cilliers. Pg: X Filme Creative Pool/Arsam/Banana/ Future/Fonema/Film Afrika. V: X Verleih. L: 117 Min. DEA: Berlinale 2007. Da: Joseph Fiennes (James Gregory), Dennis Haysbert (Nelson Mandela), Diane Kruger (Gloria), Shiloh Henderson (Brent), Megan Smith (Natasha), Faith Ndukwana (Winnie Mandela), Terry Pheto (Zindzi Mandela), Lesley Mongezi (Walter Sisulu).

epd Film 4/2007



Start: 12.4. (D), 3.5. (CH)


 


 


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