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Mondscheinkinder Ein Film über Heranwachsen, Krankheit und die Macht der Fantasie
Behutsam nähert sich die Kamera dem kleinen Jungen, der auf einer Fensterbank sitzt und die Kinder draußen beim Spielen beobachtet. Paul darf nicht in die Sonne. Er hat eine seltene Hautkrankheit. Zu viel Licht gefährdet sein Leben. Spielen darf Paul außerhalb der Wohnung nur, wenn es schon dunkel ist. Dann gibt es schon mal ein Picknick im Mondschein und die Frage der bodenständigen Mutter, ob Paul lieber einen Hamburger oder einen Cheeseburger äße. Auch Lisa, Pauls viel ältere Schwester gilt als „sonderbar“. Mit den hübschen Mädchen, die nach dem Sportunterricht in der Umkleide stolz im BH posieren, kann sie nicht mithalten. Lisa züchtet im Schulkeller Algen und steht auch einmal am Fenster und sieht, wie sich der coole, blonde Simon dort spiegelt.
Regisseurin Manuela Stacke erzählt in sorgfältig komponierten Bildern, die nie künstlich wirken. Sie spielt mit eindringenden Sonnenstrahlen in der abgedunkelten Welt von Paul und Lisa, die sich ein eigenes Universum geschaffen haben. Lisa erzählt Paul immer wieder von Raumschiffen und fernen Galaxien. Im Film sind diese Geschichten animiert. Die Figuren wirken in ihrer bewussten Naivität und der 2-D-Animation natürlicher als niedlicher Disney-Zeichentrick. Auch diese zweite Ebene des Films funktioniert. Man kann nur beeindruckt sein, wie viel die Regisseurin und ihre Autorin Katrin Milhahn wagen. Ihr Film ist emotional, manchmal traurig, dann wieder trotzig Mut spendend. Der Soundtrack unterstreicht das einerseits mit symphonischen Klängen, setzt dann aber genauso überzeugend auch auf Deutschrock. Im Zentrum von Mondscheinkinder steht Lisa, die nicht nur die völlig überforderte Mutter ersetzt, sondern auch damit klarkommen muss, zum ersten Mal verliebt zu sein. Simon, der gut aussehende Junge, der wie Paul Astronaut werden möchte, fühlt sich zu diesem schüchternen, manchmal schroffen Mädchen hingezogen.
Schwierig ist es für Lisa nur, ihr privates Glück zu genießen und den Bruder dabei nicht zu vernachlässigen. Paul benutzt seine Krankheit oft dazu, seine Mutter und Schwester zu erpressen. Als sich sein Zustand verschlimmert, schaffen Lisa und Simon es, Paul neuen Mut zu geben. Immer wieder fliehen sie zu dritt aus dem Krankenhaus und suchen nach einem Raumschiff für den kleinen Jungen. Subtil, aber ohne Angst vor Emotionen erzählt die 36-jährige Manuela Stacke vom Heranwachsen, erster Liebe, der Kraft der Fantasie und der Beschäftigung mit dem Tod. Bewundernswert ist nicht nur der Mut, diese Geschichte im deutschen Autorenkino zu erzählen, sondern vor allem die Meisterschaft, mit der ihr dieses schwierige Unterfangen gelingt. Man entdeckt herausragende, junge Darsteller mit Gesichtern, die viel ausdrücken. Jörg Taszman Persönlich und berührend erzählt Manuela Stacke von zwei Außenseitern: Paul, dem kleinen Jungen mit einer seltenen Krankheit, und seiner schüchternen älteren Schwester Lisa, die sich zum ersten Mal verliebt. Deutschland 2006. R: Manuela Stacke. B: Katrin Milhahn. P: Gudrun Ruzicková-Steiner. K: Alexander Sass. Sch: Dirk Schreier. M: Karolina Jul La Monaca, Margot Redmann. T: Andi Drost. A: Tom Hornig. Ko: Dörte Schneider. Pg: Luna/RBB/SWR/BR. V: Piffl Medien. L: 90 Min. FSK: ohne Altersbeschränkung. DEA: Max Ophüls 2006. Da: Leonie Krahl (Lisa), Lucas Calmus (Paul), Lucas Hardt (Simon), Renate Krössner (Mutter), Walter Kreye (Dr. Maurer), Leonore von Stürler (Ina), Pia-Michaela Barucki (Annabel). Start: 14.12. (D) epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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