Der 12. bundesweite Aktionstag der Kommunalen Kinos widmet sich dem Thema: Zensur im Film

Am 31. Oktober schauen die deutschen Kommunalen Kinos auf etwas zurück, das wir allgemein als vergangen abtun: die Zensur von Filmen. Doch wie aktuell dieses Thema tatsächlich ist, zeigte sich erst kürzlich wieder mit der Absetzung des Mozart-Stücks „Idomeneo“ in Berlin. Der Aktionstag der Kommunalen Kinos will in Erinnerung rufen, dass der deutsche Film eine lange Geschichte der Filmzensur hinter sich hat.

1919 wurde zum ersten Mal ein Film rigoros zensiert, als Richard Oswalds „Anders als die Andern“ das Thema Homosexualität auf ungewohnt direkte Weise anpackte und sich offen für mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen aussprach. Aber nicht nur homoerotische Sexualität fiel der Zensur zum Opfer. Sexualität im allgemeinen, wie zum Beispiel in Pasolinis „Salò oder Die 120 Tage von Sodom“, wurde immer wieder misstrauisch beäugt oder voller Entsetzen verboten. Daneben boten aber auch Themen wie Politik und Religion Angriffsflächen für erboste Missbilligung von seiten der Institutionen. Noch im Jahr 1982 musste sich der Film „Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch gegen den Vorwurf der Blasphemie wehren, weil er sich provokativ die Frage stellte, wie sich Jesus heutzutage in München fühlen würde.

Deutschlandweit zeigen die Kommunalen Kinos am und um den 31. Oktober herum Filme, die einmal zum Opfer der Zensur wurden. Mit Einführungsveranstaltungen, Vorträgen und Diskussionen werden die Filme in ihren historischen Kontext eingeordnet und, sofern möglich, in ihrer Originalfassung gezeigt. Zum Beispiel zeigt das Kommunale Kino in Eckernförde an drei Abenden Anfang November den DDR-Film „Spur der Steine“ von 1966, bei dem der kürzlich verstorbenen Frank Beyer Regie führte. Und das Karlstorkino in Heidelberg zeigt Ridley Scotts „Blade Runner“, der erst 10 Jahre nach seiner Erstaufführung 1982 in einer Director’s Cut-Version in die Kinos kam. (Weitere Informationen gibt es unter http://www.kommunale-kinos.de/.) Mit seinem ausgewogenen Programm erweist sich das Kommunale Kino als eine Stätte von Zeitgeist und Retrospektive gleichermaßen.

epd Film 10/2006


 


 


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