Monster House

Ein digitaler Steve Buscemi als Kinderschreck

© Fotos: Sony

Von jeher üben Horror- und Gruselfilme auf Kinder große Anziehungskraft aus. Weil dem Nachwuchs durch gesetzliche Altersbeschränkungen („freigegeben ab 16, ab 18“) bestimmte Filme nicht erlaubt sind, entsteht manchmal der übermächtige Wunsch, das Verbotene zu sehen, sich selbst auszutesten. Diesem paradoxen Umstand zollen die hier als ausführende Produzenten agierenden und im Kindererschrecken routinierten Filmemacher Robert Zemeckis und Steven Spielberg mit Monster House Tribut.

 

Der zwölfjährige DJ (Mitchel Musso) wohnt einem unheimlich finsteren Haus gegenüber. Der grimmige alte Herr Nebbercracker (Steve Buscemi), der in der Horror-Hütte haust, hat DJ und den Kindern aus der Nachbarschaft schon viele geliebte Spielsachen weggenommen. Er duldet in seinem kargen Vorgarten nun mal kein Spielzeug. Wer und was den Rasen betritt, ist verdammt. Als der Alte ins Krankenhaus muss, machen sich DJ, sein pummeliger Freund Chowder (Sam Lerner) und die kesse Jenny (Spencer Locke) auf, die verschwundenen Dinge zu suchen.

Doch Obacht! Die in Klammern gesetzten Schauspielerangaben sind mit Vorsicht zu genießen. Denn der Film ist im so genannten Motion Capture Verfahren realisiert worden. Das bedeutet, die Bewegungen der Darsteller sind (wie schon beim Vorgängerfilm Der Polarexpress) auf cartoonhafte Figuren aus dem Computer übertragen worden. Mit etwas gutem Willen erkennt man Steve Buscemi tatsächlich in dem schrulligen Haustyrann. Aber überwiegend „eiern“ die digitalen Protagonisten seltsam unsicher und ungelenk durchs Bild. Ihnen fehlen die Grazie und die Eleganz der ausschließlich im Computer animierten Charaktere, die man aus Pixar-Produktionen wie Die Unglaublichen gewohnt ist.

Würde es sich bei Monster House nicht um einen Trickfilm handeln, so müsste man ihn als gradlinigen Horrorfilm in der Tradition von Schockern wie The Haunting (Robert Wise, 1963) bezeichnen. Nicht zufällig erinnert das äußere Erscheinungsbild des Horrorhauses an das Domizil von Norman Bates in Hitchcocks Psycho (1960). Und die Handlung des Films ruft Erinnerungen an den herrlich unheimlichen Erzählstrang in Wer die Nachtigall stört (Robert Mulligan, 1962) hervor, in dem sich die Kinder eines Rechtsanwalts immer wieder zu nah an das verbotene Haus eines verrückten Nachbarn heranwagen. Alles wunderbar schaurige Filme, die bestimmt auch die Produzenten Zemeckis und Spielberg geprägt haben.

Zartbesaitete Kinder, die noch nicht durch Harry Potter abgehärtet sind und von ihren Eltern arglos in diesen auf den ersten Blick so harmlos wirkenden Trickfilm gelassen werden, könnten sich allerdings überfordert fühlen. In der Pressevorführung musste ein Kritikerkollege jedenfalls schon nach zehn Minutenmit seinen zwei verschreckten Kindern den Saal verlassen. Auch werden die Kids mit den Anspielungen auf die Horrorfilmvorbilder nichts anfangen können. Die sind mehr was für die Eltern.

Wer sich in nächster Zeit in den USA oder Kanada aufhält, kann sich Monster House in einer 3-D-Version im IMAX-Kino ansehen. Ein Einsatz dieser Fassung ist in Deutschland nicht geplant.   

Jörg Buttgereit

Ein Spielzeug fressendes Haus versetzt die Kinder eines Vorortes in Angst und Schrecken. Monster House ist ein Trickfilm, der sich bei genauerer Betrachtung als gradliniger Horrorfilm entpuppt. Kinder, die nicht durch Harry Potter abgehärtet sind, könnte er schlicht zu sehr ängstigen.

Monster House
USA 2006. R: Gil Kenan. B: Dan Harmon, Rob Schrab, Pamela Pettler. P: Jack Rapke, Steve Starkey, Robert Zemeckis, Steven Spielberg. K: Xaver Perez Grobet. Sch: Adam P. Scott, Fabienne Rawley. M: Douglas Pipes. T: Dennis Leonard. A: Ed Verreaux, Norman Newberry. Ko: Ruth Myers. Sp: Jay Redd. FSK: 6, ff. Pg: Sony/ImageMovers/ Amblin Entertainment. V: Sony. L: 90 Min. Da: Steve Buscemi (Nebbercracker), Nick Cannon (Lister), Maggie Gyllenhaal (Zee), Jon Hederf (Skull), Kevin Jamex (Landers), Jason Lee (Bones), Sam Lerner (Chowder).

epd Film 9/2006



Start: 24.8. (D, CH), 25.8. (A)


 


 


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