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Der Hals der Giraffe Melodram mit Sandrine Bonnaire
Die Geschichte einer Reise, die nicht nur den Raum überwindet, sondern auch zurückführt in die Vergangenheit. Initiatorin dieser Reise und somit Katalysator des Geschehens ist die neunjährige Mathilde (Louisa Pili). Zu Beginn des Films sehen wir, wie das Mädchen im Dunkeln rasch ein paar Sachen packt und heimlich das Haus verlässt – nicht ohne das Wort „Lügnerin“, gerichtet an ihre Mutter, mit dem Finger an die beschlagene Fensterscheibe geschrieben zu haben. Um Lebenslügen und die Wahrheit, Familiengeheimnisse und Unausgesprochenes wird es im Folgenden gehen. Und so ist auch der Filmtitel zu verstehen, der gleichzeitig der Name einer Buchhandlung ist. Kein Geringerer als Salvador Dalí soll ihr den Namen gegeben haben, meint der Besitzer. Doch das ist eine Legende. Die Wahrheit ist sehr viel profaner.
Und nun kommt Mathildes Mutter Hélène ins Spiel. Sie sucht verzweifelt ihre Tochter. Sandrine Bonnaire verleiht ihr eine pragmatische, etwas verhärmte Lebenstüchtigkeit. Kein Wunder: Als alleinerziehende Mutter muss sie alles – Arbeit, Kind, Vater, Lebensgefährte – unter einen Hut bringen. Auch sie ist Opfer der Lebenslüge ihres Vaters. Sie wuchs ohne Mutter auf, erhielt vom Vater keine Erklärung. Geschockt findet sie die Briefe, mit der die alte Frau wieder Kontakt zu ihrer Familie herstellen wollte.
Die beklemmendste Szene ist Pauls Wiedersehen mit dem ehemaligen Liebhaber seiner Frau. Ein alter Mann auch er, der sich kaum noch an die Geliebte erinnern kann. Denn die Beziehung dauerte nur wenige Jahre. Wegen dieses Mannes hatte Paul damals alles aufgegeben. Die Tragik eines ungelebten Lebens, die aber auch die Chance eines Neuanfangs bietet. Michael Ranze Die neunjährige Mathilde begibt sich auf die Suche nach ihrer verschollenen Großmutter, die 30 Jahre zuvor Mann und Tochter verlassen hat. Bewegendes, hervorragend gespieltes Drama um Lebenslügen und Familiengeheimnisse. Le Cou de la girafe Start: 17.8. (D), 18.8. (A) epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Mathilde will ihre Großmutter finden, die sie nie kennen gelernt hat. Vor 30 Jahren hatte sie Mann und Tochter eines anderen wegen verlassen. Der Einzige, der bei der Suche helfen kann, ist Mathildes Großvater Paul. Darum „entführt“ sie ihn kurzerhand aus dem Altersheim, in dem er sich vor dem Leben versteckt hält. Das Verschwinden seiner Frau hat der alte Mann nie verwunden, ihre Briefe, die nun als Anhaltspunkt für ihren Verbleib dienen, hat er nie geöffnet. Jetzt zwingt ihn seine Enkelin, sich wieder mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Claude Rich interpretiert Paul als verbitterten und traurigen Mann, der Gefühle wie Trauer und Wut nicht zulässt. Verzeihen kann er nicht, darüber sprechen ebenso wenig.
In Biarritz laufen beide Handlungsfäden zusammen. Bis dahin hat Regiedebütant Safy Nebbou vielschichtige Charaktere entworfen, hinter denen die bewusst unauffällige Inszenierung fast völlig zurücktritt. „Wie wird der Regisseur seinen Film enden lassen“, fragt man sich gespannt, und dann wartet Nebbou mit einer Lösung auf, die ebenso stimmig wie zwingend ist. Das Ergebnis ist ein anrührendes Melodram, das seine Tragik immer wieder durch komische Vignetten auffängt, etwa wenn Pauls Mitbewohner mehr oder weniger geschickt versuchen, seine Abwesenheit im Altersheim zu vertuschen.