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Zum 100. Geburtstag des Regisseurs Billy Wilder am 22. Juni König der Kinokomödie von Rudolf Worschech
„Ich bin Regisseur geworden, weil ich mir meine Drehbücher nicht mehr verhunzen lassen wollte“. Der Regisseur Billy Wilder liebte die Pointe – in seinen Interviews und in seinen Filmen. Wie kaum ein anderer in der Geschichte Hollywoods beherrschte Billy Wilder in seinen Filmen ein perfektes Timing und die Kunst des Nicht-Zeigens. Wilder inszenierte in den fünfziger und sechziger Jahren die überdrehtesten Komödien Hollywoods, mit einer rasanten Mischung aus ausgefeilten Dialogen, Slapstickeinlagen und scharfem Witz.
Doch er war alles andere als ein simpler Entertainer. Der Sarkasmus seiner Filme war gefürchtet, und Sittenwächter witterten Anrüchiges in ihnen. Wilder stellte in seinen Komödien auch das Lächerliche seiner amerikanischen Wahlheimat bloß, die Mechanismen des Aufstiegs ("Das Appartment", 1960), die Doppelmoral ("Avanti, Avanti!“, 1972), die Hoffnung auf das schnelle Geld ("Der Glückspilz",1966). Wie kein anderer verkörpert der Schauspieler Jack Lemmon in Wilders Filmen jenen kleinen Angestellten, der sich in den Netzen des amerikanischen Traums verfängt, auf der Suche nach Glück und sozialer Anerkennung.
„Der Unterschied zwischen einer Komödie und einer Tragödie ist: Ein Mann läuft eine Straße runter und fällt hin. Wenn er wieder aufsteht, ist das eine Komödie, die Leute lachen; bleibt er liegen, ist es eine Tragödie.“ Wilder selbst war als Mensch ein begnadeter Geschichtenerzähler und Unterhalter. Vielleicht kommt daher das Missverständnis, er habe nur "lustige" Filme gedreht. Aber selbst seine Satiren können auch ernst und bitter sein. "Boulevard der Dämmerung" (1950) wirft einen desillusionierenden Blick auf die Illusionsmaschine Hollywood und ihr Starsystem, "Reporter des Satans“ (1951) zeigt, wie ein skrupelloser Journalist eine Rettungsaktion bei einem Grubenunglück bewusst herauszögert, um einen Sensationsbericht schreiben zu können. Wilder hat auch zwei Meisterwerke des "film noir" gedreht, "Das verlorene Wochenende" (1945), die Studie eines Alkoholikers, und "Frau ohne Gewissen" (1944), die Geschichte eines Versicherungsvertreters, der von einer Frau zum Mord an deren Mann angestiftet und von ihr erschossen wird.
Wilders Filme leben von den Dialogen und der Handlung, die sie in Gang setzen. Er maß deshalb der Vorbereitung eines Films eine immense Bedeutung bei und schrieb seine Drehbücher immer selbst, zusammen mit Co-Autoren. Aus der Zusammenarbeit mit I.A.L Diamond ging jener berühmte Satz „Nobody is perfect" hervor, mit dem in „Manche mögen's heiß" (1959) ein zur Heirat geschlossener Verehrer die Tatsache übergeht, daß seine Angebetete sich als ein Mann entpuppt.
Schon zu Beginn seiner Karriere zeigte sich Wilders Begabung zum Wortwitz. Der gebürtige Wiener kam 1926 nach Berlin und arbeitete dort als Reporter, schrieb etwa für die Zeitung „B.Z. am Mittag“ eine Serie über seine Erlebnisse als Eintänzer im Hotel Eden. Seine frühen journalistischen Arbeiten sind gerade als Buch heraus gekommen. 1929 beteiligte er sich an dem avantgardistischen Querschnittsfilm „Menschen am Sonntag" und erhielt daraufhin die Chance, für die Ufa Drehbücher zu verfassen. 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, verließ er Deutschland, floh über Paris in die USA und konnte sich nach einer Durststrecke in Hollywood als Drehbuchautor etablieren. Bei den Lubitsch-Komödien "Blaubarts achte Frau" (1938) und "Ninotschka" (1939) war er Co-Autor. Seinen ersten eigenen Film drehte er 1942, die Komödie "Der Major und das Mädchen".
Der jüdische Emigrant Wilder, dessen Angehörige in Auschwitz ermordet wurden, hat viele Filme mit „deutscher" Thematik gedreht, darunter auch unversöhnliche. In der Tradition der Anti-Nazi-Filme Hollywoods steht der relativ unbekannte "Five Graves To Cairo" (1943), eine Episode aus dem Wüstenkrieg der Engländer gegen die deutsche Armee. Gegen Ende des Krieges kehrte Wilder auch für eine kurze Zeit als Mitarbeiter der Abteilung für psychologische Kriegsführung nach Deutschland zurück, um den Schnitt von "Todesmühlen", einem aufrüttelnden Dokumentarfilm über die Öffnung der Konzentrationslager, zu überwachen. Sein „deutsches" Meisterwerk aber ist „Eins, zwei drei" (1961), eine Satire über das zweigeteilte Deutschland vor dem Bau der Berliner Mauer.
"Buddy, Buddy" (1981) war Billy Wilders letzter Film. Aber scharfzüngig blieb er bis zu seinem Tod. In den Interviews, die der amerikanische Regisseur Cameron Crowe mit ihm führte, erinnert er sich schelmisch an die Lichttricks der Garbo, die Unverschämtheiten von Humphrey Bogart und die Verspätungen von Marilyn Monroe. Und über sich selbst sagt er: "Ich habe mich als preisgekrönter Scherzbold dargestellt, der sich über alles ein wenig lustig macht.” Billy Wilder starb am 27. März 2002.
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