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Geoffrey Rush als Peter Sellers © Fotos: Warner |
The Life and Death of Peter Sellers reiht sich ein in die Versuche, „die dunkle Seite des (komischen) Genies“ auszuleuchten, den Mann hinter den Masken zu zeigen. Heute scheint Peter Sellers weit weg für den Kinointeressierten des Jahres 2005, aber immer noch noch populär ist die Filmreihe um den Rosaroten Panther und Stanley Kubricks fulminante Kriegssatire Dr. Strangelove, in dem Sellers in gleich drei Rollen brillierte.
Schon der Vorspann von Life And Death of Peter Sellers, im Mittsechziger-Pop-Look von What’s New, Pussy Cat? gehalten, erinnert an jenen Peter Sellers, mit dem eine Generation von Kinogängern aufgewachsen ist, an den Star der späten sechziger und der siebziger Jahre. Sellers’ Markenzeichen, die Stimme als Instrument, dürfte in den meisten Synchronfassungen seiner Filme schon damals verloren gegangen sein.
Schon früh hatte Sellers Erfolg damit, nicht er selbst zu sein, sondern andere zu imitieren, in die Haut anderer Personen zu schlüpfen. Der Film zeigt, wie er sich als Kriegsveteran verkleidet, um eine entsprechende Filmrolle zu bekommen, nachdem ihn die Casting-Agentin zuvor mit dem Hinweis auf seine bislang ausschließliche Radioarbeit zurückgewiesen hatte. Diese Radioarbeit, nämlich die legendäre BBC-Serie „The Goon Show“, liefert in den hier nachinszenierten Beispielen eine frühe Probe nicht nur in exzentrischem Humor (später ein zentraler Einfluss auf Monty Python), sondern auch im Ausprobieren verschiedener Rollen und Stimmen durch Sellers. Schon fünf Jahre vor Dr. Strangelove war er 1959 in Die Maus, die brüllte in einer Dreifach-Rolle zu sehen, auf den Spuren seines erklärten Idols Alec Guinness, an dessen Seite er 1955 in Ladykillers seinen fünften Leinwandauftritt gehabt hatte. Vom korpulent-korrupten Gewerkschaftsvertreter in I’m All Right, Jack (1959) zum romantischen Liebhaber (von Sophia Loren) in The Millionairess nur zwei Jahre später konnte Sellers die verschiedenen Facetten seiner Leinwandpersönlichkeit demonstrieren. Aber wie sah es dahinter aus?
„I don’t have any personality of my own – I had it surgically removed“, sagt Sellers hier einmal. Was auf den ersten Blick selbstironisch klingt, hatte für ihn eine tiefere Bedeutung – „The Mask Behind the Mask“ lautet denn auch der Titel einer Sellers-Biografie. Der Film zeigt Sellers’ Unsicherheit hinsichtlich seiner eigenen Person, die mangelnde Selbsteinschätzung (sein Irrglauben, Sophia Loren würde seine Gefühle erwidern), die Unzufriedenheit des Perfektionisten mit der eigenen Arbeit, das Hungern nach Anerkennung (die Nichtauszeichnung mit dem Oscar, weder für Dr. Strangelove noch für Willkommen, Mr. Chance, soll ihm schwer zugesetzt haben), die Selbstzweifel angesichts des Zickzackkurses seiner Karriere. Das sah im Fall des Rosaroten Panthers so aus, dass er als Ersatz engagiert wurde, nachdem Peter Ustinov die Rolle des trotteligen Polizeiinspektors Clouseau kurzfristig abgesagt hatte. Wie er aber diese Figur gemeinsam mit Regisseur Blake Edwards ausformte und später weiterentwickelte, das zeigt schon Sellers’ Talent. Gerne hätte man dieses, gerade auch seine Fähigkeit zur Improvisation, in einigen längeren Szenen im Film gewürdigt gesehen. Aber The Life and Death of Peter Sellers, inszeniert von Stephen Hopkins (Under Suspicion, die Fernsehserie „24“), hakt in seiner chronologischen Abfolge die Stationen von Sellers’ Karriere oft im Schnelldurchgang ab, setzt bei den Film-im-Film-Szenen und jenen von den Dreharbeiten eher auf Déjà-vu-Erlebnisse des Zuschauers, auch, weil John Lithgow (als Blake Edwards) und Stanley Tucchi (als Stanley Kubrick) ihre Figuren mit einem bestimmten Camp-Humor ausstatten, während Geoffrey Rush in der Titelrolle des Peter Sellers meist angemessen ernsthaft bleibt.
Manchmal steht Rush/Sellers neben sich, manchmal schlüpft er sogar in die Rollen seiner Gesprächspartner – schöne verfremdete Momente, die zeigen, wie es ihm um Kontrolle geht. Dabei hat der Film seine eindringlichsten Momente genau dann, wenn Sellers die Kontrolle verliert. Das kann dramatische Formen annehmen, etwa wenn er ein Spielzeugauto seines kleinen Sohnes zertrampelt, nachdem dieser in bester Absicht einen Kratzer am neuen Auto seines Vaters mit einem weißen Rennstreifen übermalt hat. Es kann aber auch komische Formen annehmen, etwa wenn ein Prominenten-Astrologe (Stephen Fry) Sellers erklärt „B.E.“ werde für ihn wichtig sein (gemeint war Blake Edwards, der Sellers lange zureden musste, bis der seine Zusage zu der Pink Panther-Fortsetzung A Shot in the Dark gab) – und Sellers kurz darauf eine Schlagzeile in einer Boulevardzeitung sieht, derzufolge die schwedische Nachwuchsschauspielerin Britt Ekland in London eintreffen wird: „B.E.“ wird kurz darauf seine Frau ...
The Life and Death of Peter Sellers endet mit dem Finale aus Willkommen, Mr. Chance, Sellers’ großer Abschiedsvorstellung von 1979, in dem er über das Wasser wandelt. Ein finaler Triumph für den „wahren“ Peter Sellers, der sich jahrelang um die Rechte an Jerzy Kozinskis Roman bemüht hatte, weil er in der Figur des Gärtners, der keine eigene Persönlichkeit hat, sich selbst wiederfand. Der letzte Lacher allerdings geht auf seine Kosten: ein Schlusstext informiert darüber, dass Sellers am Tag seines Todes eigentlich seine vierte Frau, Lynne Frederick hatte enterben wollen. Dazu kam es nicht mehr; sie erbte sein Vermögen und speiste seine Kinder aus früheren Ehen mit je 2.000 Dollar ab.
Frank Arnold
Das Biopic zeigt den britischen Komiker (kongenial verkörpert von Geoffrey Rush) als unsicheren Menschen, der sich schon früh als Meister fremder Identitäten erweist, in seinem Privatleben aber häufig zu Stimmungsschwankungen neigte. Die chronologische Erzählweise tippt vieles nur an, aber der Film macht Lust auf Sellers’ Filme, gerade die frühen britischen.
Life And Death of Peter Sellers
USA/GB 2004. R: Stephen Hopkins. B: Christopher Markus, Stephen McFeely. P: Simon Bosanquet. K: Peter Levy. Sch: John Smith. M: Richard Hartley, Karen Elliott. T: Simon Kaye. A: Norman Garwood, Lucy Richardson. Ko: Jill Taylor. Sp: Stuart Brisdon. Pg: HBO/BBC/De Mann Entertainment/Company. V: Warner. L: 122 Min. FBW: wertvoll. Da: Geoffrey Rush (Peter Sellers), Charlize Theron (Britt Ekland), Emily Watson (Anne Sellers), John Lithgow (Blake Edwards), Miriam Margoleyes (Peg Sellers), Stanley Tucci (Stanley Kubrick), Stephen Fry (Maurice Woodruff), Sonia Aquino (Sophia Loren).
epd Film 5/2005
Start: 28.4. (D)


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