Kebab Connection
Mit dem sensiblen Beziehungsdrama Grüne Wüste hat der junge Regisseur Anno Saul 2001 auf sich gemacht. Mit der Kebab Connection, letztes Jahr in Hof vorgestellt, betritt er neues Terrain. In Hamburg ist der Teufel los. Das deutsche Kino, welchen Höhenflug auch immer es gerade durchlebt, steckt noch immer in der Komödienkrise. Zwar waren die beiden erfolgreichsten Filme des letzten Jahres, (T)Raumschiff Surprise und Sieben Zwerge, nun, irgendwie stellenweise lustig, aber doch: Sketchparaden. Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, welche deutschen Filme einen in den letzten Jahren beeindruckt haben – Kino- Komödien dürften selten auf der Liste sein. Aber es gibt Hoffnung. Und sie wird noch einmal bestärkt durch Kebab Connection. Fatih Akin hat das Drehbuch (mit-)geschrieben, und man merkt dem Film seine Handschrift an, beim Setting, bei der Hauptfigur. Nur: die Gemengelage aus Blut, Schweiß und Tränen in Gegen die Wand ist der Kebab Connection fremd. Kiez light. Sie knüpft eher an Fatih Akins Kurzfilm Getürkt (1996) an, in dem ein türkischstämmiger Deutscher, gespielt von Akin selbst, in seine Heimat kommt und sich dort nicht wirklich zurechtfindet – Sprachprobleme, nichts zu rauchen.
Kebab Connection ist, wie zuletzt One Day in Europe, eine Komödie über nationale und persönliche Stereotypen und wie sie überwunden werden. Denn irgendwann übt Ibo dann seine Babytauglichkeit, Kinderwagen schieben, Baby wickeln, mit spitzen Fingern zwar, aber immerhin. Und irgendwann stellt der Vater dann auch die Verwandtschaft über die Tradition.
Wer schon einmal einen Döner gegessen hat, weiß, dass, wenn das Fleisch geschnitten ist, die unvermeidliche Frage kommt: „Mit allem?“. Kebab Connection versucht viel, manchmal auch zu viel, culture clash, Erwachsenwerden, gegenseitiges Verstehen, Liebe, die Träume und die Realität. Aber seinen Witz, Ibo immer zwischen den Stühlen taumeln zu lassen, verliert der Film nie. Rudolf Worschech Hamburger Multikulti-Komödie um einen jungen Mann, der von einer Karriere träumt, aber erst einmal sein Privatleben in den Griff kriegen muss. Start: 21.4. (D, CH), 29.4. (A) Deutschland 2004. R: Anno Saul. B: Fatih Akin, Anno Saul, Ruth Toma, Jan Berger. P: Ralph Schwingel, Stefan Schubert. K: Hannes Hubach. Sch: Tobias Haas. M: Marcel Barsotti. A: Ulrika Andersson. Ko: Katrin Aschendorf. Pg: Wüste//WDR/Arte/Creado. V: Timebandits. L: 95 Min. FSK: 12, ff. FBW: wervoll. DEA: Hofer Filmtage 2004. Da: Denis Moschitto (Ibo), Nora Tschirner (Titzi), Güven Kiraç (Mehmet), Hasan Ali Mete (Onkel Ahmet), Adam Bousdoukos (Valid), Adnan Maral (Kirianis), Cem Akin (Altan), Nursel Köse (Hattice), Sibel Kekilli (Italienerin). epd Film Abonnement © epd Hinweis zum Urheberrecht |
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Nicht umsonst nennt jeder den 21-jährigen Ibrahim (Dennis Moschitto) Ibo, und Kebab Connection illustriert, wie seine gewohnte Welt fremd wird. Denn die Umbrüche strömen von mehreren Seiten auf ihn ein. Zum einen erfährt er, dass seine Freundin Titzi (Nora Tschirner) schwanger ist, und die wiederum weiß: „Türkische Männer schieben keine Kinderwagen.“ Gerade, wenn man wie Ibo cool ist und davon träumt, den ersten deutschen Kungfu-Film zu drehen, mit dem viel versprechenden Titel „Die Todesfaust des gelben Rächers“. Was Fatih Akin übrigens auch einmal vorgehabt haben soll. Ibos Vater, ein Taxifahrer, ist alles andere als begeistert, dass das Enkelkind ausgerechnet von einer Deutschen ist, und so hängt Ibo gewissermaßen in der Luft und wieder mit seinen Kumpels ab.
Kebab Connection beginnt furios. Da fliegen wie bei einem echten Martial-Arts-Film die Fetzen, da spritzt das Blut und die Menschen fliegen durch die Luft. Eine Probe von Ibos Können: denn da ihm keiner Geld für einen wirklichen Kungfu-Film gibt, hat er für seinen Onkel Ahmet einen Werbespot gedreht, für dessen Döner-Bude „King of Kebab“. Die steht in schärfster Konkurrenz zum Griechen gegenüber. Noch einmal wird er einen Spot für den „King of Kebab“ drehen, aber da geht es ihm schon schlechter, und entsprechend depressiv fällt der Film aus. Diese beiden Filmchen strukturieren den Film, eine hübsche Idee.